Anleihekaufprogramm der EZB gestartet – Droht ein Währungskrieg?

Am Montag, den 09. März 2015, hat die EZB ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm gestartet. Mit ihm will die Zentralbank die Deflation in Europa bekämpfen und für mehr Wachstum sorgen. Die Maßnahmen der EZB bergen jedoch auch Gefahren, so etwa den Ausbruch eines Währungskrieges. 

Staatsanleihen der Euroländer stehen im Fokus

Um die Märkte mit frischem Geld zu versorgen, wird die Europäische Zentralbank ab sofort jeden Monat Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Euro erwerben. Bis Ende September 2016 sollen so 1,14 Billionen Euro in die Märkte gepumpt werden. Dabei stehen vor allem Staatsanleihen aus Ländern der Euro-Zone im Fokus. Aber auch gesicherte Bankanleihen, sogenannte Covered Bonds, sowie Kreditverbriefungen (ABS) stehen auf der Einkaufsliste. Zu den Anleihen, die erworben werden sollen, gehören etwa Papiere der deutschen KfW Bankengruppe, der NRW-Bank oder der französischen CADES bzw. der UNEDIC. Aber auch Schuldtitel der Rettungsschirme EFSF und ESM sowie der EU und der Europäischen Investitionsbank sollen gekauft werden. Beachtenswert ist hierbei, dass sich die Zentralbank nicht nur auf Anleihen mit positiver Rendite beschränkt, sondern sogar Papiere mit einer Negativrendite von bis zu minus 0,2 Prozent kauft. Die Staatsbonds dürfen zudem eine Bonitätsnote von bis zu BBB- aufweisen, was bereits für eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit spricht. Bislang sind lediglich Papiere der Staaten Griechenland und Zypern vom Kaufprogramm ausgeschlossen.

Die Profiteure des Geldsegens

Durch den Ankauf der Anleihen bezweckt die EZB eine enorme Ausweitung der Geldmenge. Hierdurch sollen Kredite und Investitionen deutlich günstiger werden und die Inflation anschieben. Dies soll auch dadurch erreicht werden, dass die Anleihen am Sekundärmarkt direkt bei den beteiligten Banken und Versicherungen gekauft werden. Diese haben nun mehr Geld zur Verfügung und können dieses in Form von Krediten an ihre Kunden vergeben. Durch die vermehrten Investitionstätigkeiten könnte dann die Inflation wieder in Richtung Zwei-Prozent-Marke starten und in Folge dessen „gesunde Werte“ erreichen. Das Gespenst der Deflation, das sich durch eine Negativspirale aus sinkenden Preisen, rückgängiger Investitionen und steigender Arbeitslosigkeit auszeichnet, wäre besiegt. Vor allem Menschen, die größere Vorhaben tätigen wollen oder aber den Kauf einer Immobilie planen, müssen so nur wenige Zinsen an die Banken zahlen. Zu den Gewinnern des Anleihekaufprogramms dürften auch die Aktienbesitzer gehören, denn viel des vorhandenen Geldes wird am Aktienmarkt investiert. Am 16. März konnte der DAX bereits neue Höchststände markieren und Werte von mehr als 12.000 Punkten erreichen.

Mögliche Risiken des Anleihekaufprogramms

Ein solches Programm, das die EZB jetzt ins Leben gerufen hat, gab es in der Geschichte Europas noch nie. Es ist daher nur schwer vorherzusehen, ob und in welchem Umfang die positiven Effekte eintreten. Kritikern zufolge könnten die Maßnahmen nämlich auch negative Folgen haben. Bundesbankpräsident Weidmann etwa befürchtet, dass durch das billige Geld die Reformen in hoch verschuldeten Staaten ausgesetzt werden, da eine anderweitige Finanzierung schließlich möglich sei. Laut dem Nachrichtenmagazin erhöht sich zudem das Risiko einer Kapital- und Immobilienblase. Da die Nachfrage nach Aktien und Immobilien stetig steigt, erhöhen sich auch die Preise. Nicht immer sind diese Preiserhöhungen jedoch fundamental gerechtfertigt. Sollte die Blase platzen, drohen Dir als Anleger enorme Verluste. Letztlich sinkt durch die extreme Geldschwemme der Wert des Euro im Verhältnis zum US-Dollar. Die Auswirkungen dieser Geldpolitik waren bei der jüngsten Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro deutlich zu spüren. Zwar werden hierdurch Waren aus Europa im nichteuropäischen Ausland günstiger, anderen Ländern wie den USA drohen hierdurch jedoch Negativeffekte, da deren Exporte sinken. Über kurz oder lang könnte sich hieraus sogar ein Währungskrieg ergeben, bei dem die Notenbanken weltweit versuchen werden, ihre Währungen möglichst billig zu halten. Mit ungewissen Folgen...

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