Einmal Bankkonto für alle, bitte!

Ab dem Jahr 2016 sollen alle Bürger der EU den Rechtsanspruch erhalten, ein Girokonto zu eröffnen. Damit wäre es künftig allen Menschen leichter möglich, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und grenzüberschreitend Bankgeschäfte zu erledigen.

Ende des Ausschlusses vom gesellschaftlichen Leben

Viele Geldgeschäfte werden heutzutage nicht mehr mit Bargeld, sondern bargeldlos per Karte oder Girokonto abgewickelt. Menschen, die kein Konto eröffnen können, etwa weil sie obdachlos sind oder in finanziellen Schwierigkeiten stecken, sind in diesem Bereich oft benachteiligt. Sie können weder ihre Miete überweisen noch Einkäufe auf Rechnung tätigen. Aktuell betrifft dies nach derzeitigen Schätzungen rund 25 bis 30 Millionen Europäer, die seit rund 15 Jahren vergeblich eine Kontoeröffnung wünschen. In Deutschland verfügen etwa 670.000 Bürger über kein eigenes Konto. Um diese Situation zu beenden, haben sich die Unterhändler des EU-Parlaments, der EU-Kommission sowie der EU-Staaten jetzt darauf verständigt, einen Rechtsanspruch für alle Bürger schriftlich zu fixieren. Die Verabschiedung des Gesetzes ist für April 2015 geplant und wird nur noch als Formsache gesehen.

Das Bankkonto für jedermann – Konditionen

In Deutschland haben sich die verschiedenen Kreditinstitute bereits vor einigen Jahren freiwillig dazu verpflichtet, allen Menschen ein Girokonto anzubieten. Dieses Konto soll unabhängig vom gesellschaftlichen Status oder Einkommen eröffnet werden können und wird grundsätzlich auf Guthabenbasis geführt. Das neue Konto für alle EU-Bürger wird sich voraussichtlich an diesen Standards anlehnen, auch wenn die einzelnen EU-Staaten selbst entscheiden können, ob und bis zu welchem Betrag eine Überziehung möglich ist. Aufgrund der Risiken, die mit der Eröffnung solcher Konten verbunden sind, werden die Banken wohl auf ein Guthabenkonto drängen. Die Kunden können über das Konto dann ihren alltäglichen Zahlungsverkehr abwickeln, Überziehungen jedoch sind nicht gestattet. Für Kunden mit aktiven Pfändungen bieten die Banken zusätzlich das sogenannte P-Konto an, das als Pfändungsschutzkonto auch in dieser Situation ohne Probleme geführt werden kann. Dieses Konto hat den Vorteil, dass es bei einer Kontopfändung einen unbürokratischen Schutz bietet, d.h., dass ein bestimmter Guthabenbetrag pro Monat vor den Gläubigern geschützt ist.

Kein kostenloses Angebot

Auch wenn sich das Girokonto für jedermann vor allem an sozial Schwache wendet, wird es wohl nicht kostenlos angeboten werden können. Schließlich entstehen den Banken bei der Verwaltung und Führung der Konten ebenfalls Kosten, die entsprechend reguliert werden müssen. Jedoch sollen "vernünftige Gebühren" eingeführt werden, die Betroffene nur wenig belasten. Auch hier wird man sich wohl an den aktuellen Regelungen orientieren und die durchschnittlichen Kontoführungsgebühren zugrunde legen. Wie bei anderen Bankprodukten lohnt es sich selbstverständlich auch beim Girokonto, Angebote und Preise der verschiedenen Institute gegenüberzustellen und die günstigsten Konten zu nutzen.

Positive Auswirkungen für alle Bankkunden

Mit der Umsetzung der neuen Regelung haben schließlich alle Kunden innerhalb Europas die Möglichkeit, ein Bankkonto zu eröffnen und ihren Zahlungsverkehr unbar abzuwickeln. Auch wenn nicht jede Bank verpflichtet werden kann, ein solches Konto zu führen, werden diese wohl bei den meisten Instituten zu finden sein. Damit habt ihr auch erstmals als deutsche Bankkunden ein Recht auf ein Girokonto. Bislang war man hier auf das Wohlwollen der Banken angewiesen. Insgesamt wird durch die neue Regelung eine Verbesserung für alle Bankkunden erwartet. Ein Kontowechsel soll in Zukunft einfacher sein. Geplant ist, dass dem neuen Anbieter lediglich ein Auftrag zur Abwicklung des Altkontos erteilt werden muss und sich das neue Institut um die weiteren Schritte wie bspw. den Guthabenübertrag, die Übernahme der Daueraufträge sowie die Auflösung des alten Kontos kümmert. Desweiteren soll künftig auch ein Vergleich der Konditionen der einzelnen Institute erleichtert und die Kunden transparenter über anfallende Gebühren, die bspw. bei einer Nachsendung von Kontoauszügen oder bei Kontoüberziehung entstehen, von den Banken aufgeklärt werden. Es bleibt also zu erwarten, dass die Rechte aller Bankkunden in Zukunft gestärkt werden.

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