Baufinanzierung ohne Eigenkapital – Was ist dran?

Für den Abschluss einer Baufinanzierung ist es aktuell nicht mehr zwingend nötig, Eigenkapital einzubringen. Immer mehr Banken finanzieren Bau- und Kaufwünsche mittlerweile bis zu 100 Prozent. Diese Form der Finanzierung bietet zwar eine Reihe von Vorteilen, weist aber auch Risiken auf, die Du nicht unterschätzen solltest.

Die Vollfinanzierung ohne Eigenkapital

icon_muenzenWar es bis vor einigen Jahren noch notwendig, im Rahmen einer Baufinanzierung mindestens 20 Prozent der Kosten aus eigenen Mitteln finanzieren zu können, bieten viele Banken mittlerweile die Vollfinanzierung an. Hierbei werden die anfallenden Kauf- und Baukosten zu 100 Prozent finanziert, sodass Du als Bauherr kein Eigenkapital aufbringen musst. Mitunter ist es sogar möglich, zusätzlich auch die Nebenkosten zu finanzieren und damit einen Kredit von bis zu 120 Prozent der Gesamtkosten zu beantragen. Dies bietet Dir zwar die Möglichkeit, sofort und ohne mehrjähriges Sparen ins Eigenheim zu ziehen oder die gewünschte Eigentumswohnung zu erwerben, es lauern aber auch einige Risiken. Du solltest bei einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital daher nicht nur die Chancen sehen, sondern genau kalkulieren, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Das Risiko einer Vollfinanzierung

icon_ausrufezeichenWird ein Bau- oder Kaufprojekt vollständig finanziert, ist die notwendige Kreditsumme natürlich deutlich höher als bei einer Finanzierung zu 70 oder 80 Prozent. Aufgrund des aktuell niedrigen Zinssatzes ist dies vielfach kein Problem, da die Kreditraten dennoch tragbar sind – insbesondere bei niedrigen Tilgungssätzen von einem oder zwei Prozent. Bei einer Baufinanzierung in Höhe von 250.000 Euro fallen so bei einem Zins von zwei Prozent und einer Tilgung von einem Prozent monatliche Raten in Höhe von 625 Euro an. Auf den ersten Blick scheint die Finanzierung also gesichert. Was viele Kreditnehmer allerdings vergessen, ist die Tatsache, dass Kreditzinsen oft nur über einen Zeitraum von zehn Jahren festgeschrieben sind und danach neu verhandelt werden müssen. Bei steigenden Zinsen droht so eine deutliche Ratenerhöhung. Dieses Risiko wird umso größer, je weniger während der ersten zehn Jahre getilgt wurde. Bei einer anfänglichen Tilgung von einem Prozent verbleibt eine Restschuld von etwa 222.300 Euro. Steigen die Zinsen nun auf vier Prozent, erhöht sich die Rate sofort um 926 Euro. Viele Familien könnten mit dieser zusätzlichen Mehrbelastung überfordert sein.

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So kannst Du das Risiko senken

icon_informationDamit eine Vollfinanzierung nicht zum unkalkulierbaren Risiko wird, solltest Du daher einige wichtige Regeln beachten. Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehören natürlich ein festes und gesichertes Einkommen, mit dem Du die Rate langfristig finanzieren kannst. Weiterhin solltest Du das aktuell niedrige Zinsniveau nutzen, um die gesparten Kosten in die Tilgung zu investieren. Bei einer Vollfinanzierung sind Tilgungssätze von zwei oder drei Prozent ideal, denn so wird die Restschuld zum Ablauf der Zinsbindung deutlich reduziert. Um flexibel zu bleiben, solltest Du zudem Sondertilgungsoptionen einbauen, damit Du bei vorhandenem Guthaben dieses sofort in die Baufinanzierung einbringen kannst. Auch eine Tilgungsänderungsoption kann sinnvoll sein, um etwa die Rate während der Laufzeit zu erhöhen oder zu senken. Um das Risiko veränderbarer Zinsen weiter zu reduzieren, solltest Du zudem längere Zinsbindungsfristen von 15, 20 oder gar 25 Jahren wählen. In Kombination mit Bausparverträgen ist es vielfach sogar möglich, die Zinsen bis zum Ende der Laufzeit festzuschreiben und so Planungssicherheit zu erlangen.

Du suchst nach weiteren nützlichen Tipps und Hinweisen rund um das Thema Baufinanzierung? In unserem Beitrag „Nützliche Tipps für die Baufinanzierung“ haben wir Dir die wichtigsten Punkte kurz zusammengetragen.

Bildnachweis: © rangizzz / Fotolia.com

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