Börsenchaos, erhöhte Mehrwertsteuer und weitere Kredite für Griechenland

Um Griechenland aus der finanziellen Misere zu helfen, wurden neue Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket in Höhe von 86 Milliarden Euro beschlossen. Zwischenzeitlich erhielt das Land eine Brückenfinanzierung von sieben Milliarden Euro, gleichzeitig wurden die Notkredite für griechische Banken erhöht. Bei der Wiedereröffnung der griechischen Börse am 03. August kam es dennoch zu einem Kursrutsch von 23 Prozent.

Griechenland muss die geforderten Reformen umsetzen

Griechenland wird ein neues Hilfsprogramm in Höhe von 86 Milliarden Euro erhalten, mit dem nicht nur die offenen Schulden getilgt, sondern auch neue Investitionen angekurbelt werden können. Die Geldgeber der EU haben an die Auszahlung der Kredite allerdings eine Reihe von Auflagen geknüpft, die vom griechischen Parlament verabschiedet werden mussten. Hierzu gehört beispielsweise die europäische Bankenrichtlinie, nach der Anleger mit einem Vermögen von mehr als 100.000 Euro an der Rettung eines Instituts beteiligt werden können. Auch eine Reform des Rentensystems, mit dem vor allem Frühverrentungen begrenzt werden sollen, musste beschlossen werden. Besonders schmerzhaft ist die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Viele Produkte, für die bislang der verminderte Satz von 13 Prozent galt, müssen nun mit 23 Prozent versteuert werden. Dies betrifft auch zahlreiche Lebensmittel, was die Kosten der griechischen Bürger weiter in die Höhe treibt.

Banken haben wieder geöffnet

Aufgrund der abgebrochenen Verhandlungen und der Entscheidung der EZB, die Notkredite für griechische Banken vorerst nicht weiter zu erhöhen, wurden Ende Juni 2015 sowohl die Banken als auch die Börsen geschlossen. Mit der Vereinbarung über weitere Verhandlungen sowie dem Notkredit in Höhe von sieben Milliarden Euro konnten die ELA-Kredite (kurz für „Emergency Liquidity Assistance“) dann jedoch um 90 Millionen angehoben werden. Um größere Kapitalabflüsse ins Ausland zu verhindern, wurden die Banken per 20. Juli 2015 zwar wieder geöffnet, nach wie vor gelten jedoch zahlreiche Kapitalverkehrskontrollen. So dürfen Privatkunden pro Woche nur 420 Euro abheben, das entspricht 60 Euro am Tag. Zusätzlich sind Zahlungen ins Ausland begrenzt. Um zumindest Firmen den Zugang zu den Märkten zu erhalten, wurde die Begrenzung von 50.000 Euro per 24. Juli 2015 auf 100.000 Euro angehoben. Höhere Zahlungen müssen im Einzelfall genehmigt werden.

Börse eröffnet mit hohen Verlusten

Durch die Zustimmung zu den Reformpaketen konnte auch erreicht werden, dass die Börse in Athen nach einer Zwangspause von fünf Wochen wieder eröffnet werden kann. Die Europäische Zentralbank stimmte einem entsprechenden Antrag bereits Ende Juli zu. Bis zur Eröffnung dauerte es aber noch einige Tage, da die Handelseinschränkungen für griechische Anleger beachtet werden mussten. Einschränkungen bei Aktienkäufen sind nach wie vor gegeben. So sind Käufe nur dann möglich, wenn diese mit Geldern aus dem Ausland getätigt werden. Lediglich ausländische Investoren sollen uneingeschränkt Papiere kaufen können. Der griechische Leitindex startete nun am 03. August 2015 mit einem Verlust von gut 23 Prozent. Dieser war jedoch nicht unerwartet – zahlreiche Marktteilnehmer hatten bereits damit gerechnet, dass sich viele Anleger von ihren Papieren trennen und ihr Geld „sichern“ werden. Vor allem Bankentitel gerieten unter Druck.

Verhandlungen über drittes Hilfspaket drängen

Während die Menschen in Griechenland noch über die verschiedenen Reformen grübeln, beginnen bereits die Verhandlungen über das dritte Hilfspaket. Dabei verlangen die Gläubiger eine Reihe weiterer Reformen – etwa den Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst. Auch verschiedene Steuerthemen wie die Besteuerungen von Reedereien oder die Abschaffung von Steuerbegünstigungen sowie das Problem der Privatisierungen müssen noch verhandelt werden. Griechenland soll aber bereits eine erste Auszahlung des Hilfspaktes in Höhe von bis zu 24 Milliarden Euro gefordert haben, um dringenden Verpflichtungen nachzukommen. Die Geldgeber hingegen pochen auf ihr Forderungspaket. Dabei wird die Zeit erneut knapp, denn bereits am 20. August 2015 wird eine Zahlung an die EZB fällig. Ob die Verhandlungen bis dahin abgeschlossen werden können, muss abgewartet werden. Ein Grexit – der für viele noch vor einigen Wochen unausweichlich schien – ist aber wohl vorerst vom Tisch.

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