Chinas Wirtschaftsdebakel und die Folgen für den deutschen Markt

Nachdem die chinesische Wirtschaft viele Jahre in Folge mit hohen Wachstumsraten glänzen konnte, trübt sich das Bild nun langsam. Nicht nur, dass der Export schwächelt, auch die Industrieproduktion lahmt und die Umsätze im Einzelhandel können die hochgesteckten Ziele nicht erfüllen. Die Notenbank in Peking reagierte nun und schreckte mit ihren Maßnahmen Marktteilnehmer in der ganzen Welt auf.

China muss die eigene Wirtschaft stabilisieren

icon_Pfeile_hoch_runter2Die chinesische Wirtschaft gehörte über viele Jahre hinweg zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen. Wachstumszahlen zwischen sieben und acht Prozent pro Jahr konnte die größte Volkswirtschaft scheinbar problemlos erreichen. Erst Ende 2014 wurde der Aktienmarkt für ausländische Investoren geöffnet. Größter Motor war dabei neben dem Export auch die Binnenwirtschaft, denn zahlreiche Chinesen hatten aufgrund gestiegener Löhne die Möglichkeit, ihre Konsumwünsche zu erfüllen. Diese Dynamik soll auch in den kommenden Jahren aufrecht erhalten werden, die Regierung setzte das zu erreichende Ziel mit sieben Prozent pro Jahr fest. Aktuell jedoch, so scheint es, rückt dieses Ziel in weite Ferne. Im Juli 2015 verzeichneten die wichtigsten Börsen in Shanghai und Shenzhen einen Verlust um gut 30 Prozent. Um diese Talfahrt zu stoppen, griff die China Securities Finance Corporation (CSF) kurzfristig in den Handel ein, um die Märkte mit Aktienkäufen zu stabilisieren. Zu den Stabilisierungsmaßnahmen gehören weiterhin ein Verkaufsverbot für Großaktionäre sowie die Aussetzung laufender Börsengänge.

Aufwertung des Yuan wurde zum Problem

icon_ausrufezeichenDoch nicht nur am Aktienmarkt, auch auf dem Devisenmarkt hat die Regierung in China großen Einfluss. So kann die Landeswährung Yuan beispielsweise nicht frei schwanken, sondern darf sich lediglich um einen von der Notenbank festgelegten Korridor bewegen. Dieser Korridor jedoch orientiert sich am US-Dollar, der seit Mitte Mai vergangenen Jahres einen stetigen Aufwärtstrend zeigte. Damit jedoch legte der Yuan auch gegenüber anderen Währungen wie etwa dem Euro oder dem japanischen Yen zu und verteuerte sich um knapp 20 Prozent. Was Unternehmen in Europa und Japan zu Wettbewerbsvorteilen verhalf, schadete der heimischen Wirtschaft. Die Unternehmen konnten dadurch weniger Waren absetzen oder diese im Ausland nur zu höheren Preisen verkaufen. Die Notenbank in China ist jetzt bestrebt, einen fairen Wechselkurs zu schaffen, um die Konjunktur zu stabilisieren. Nachdem der Wechselkurs Mitte August "einmalig" gesenkt wurde, folgten sogleich zwei weitere Abwertungen der chinesischen Währung. Wie die Notenbank mitteilte, soll sich der Wechselkurs des Yuan künftig am freien Markt orientieren und damit liberalisiert werden. Viele Marktteilnehmer jedoch glauben dieser Version nicht, sondern sehen die Abwertungen der chinesischen Währung als ersten Schritt, der sinkenden Wirtschaftsleistung entgegenzuwirken.

Aktuelle Situation in China belastet auch Deutschland

icon_GlobeAuch wenn China weit weg erscheint, belastet die aktuelle Situation im Reich der Mitte auch den deutschen Markt. Zwar kann Deutschland insbesondere Technologieprodukte vor allem aufgrund der hervorragenden Qualität verkaufen, bei immer mehr Waren spielt aber der Preis eine entscheidende Rolle. Durch einen günstigeren Yuan können chinesische Unternehmen ihre Waren auf dem Weltmarkt nun deutlich günstiger anbieten und erhalten einen Vorteil. In Indien ist China sogar bereits größter Lieferant im Bereich Maschinenbau. Hinzu kommt, dass das Land in Asien mit Abstand der wichtigste Wirtschaftspartner vieler deutscher Unternehmen ist. Insgesamt wurden Waren "Made in Germany" im Jahr 2014 laut dem Statistischen Bundesamt im Gesamtwert von 74,5 Milliarden Euro exportiert. Gleichzeitig ist Deutschland aber auch einer der größten Abnehmer für chinesische Wirtschaftsgüter. Die Einfuhren lagen im gleichen Zeitraum bei 79,7 Milliarden Euro. Vor allem für Maschinen, aber auch für die deutsche Elektroindustrie war China im vergangenen Jahr wichtigster Absatzmarkt. Auch die Autoindustrie profitierte in der Vergangenheit vom fernöstlichen Markt.

Unternehmen werden sich umstellen müssen

icon_LupeEinige Firmen bekommen die aktuelle Konjunkturabkühlung in China bereits jetzt zu spüren. So reduzierte sich der Absatz von Autos des Volkswagenkonzerns, was die Halbjahresbilanz beeinflusste. Auch die Elektroindustrie sowie der Maschinenbau klagen über eine sinkende Nachfrage. Zwar wird der deutsche "Exportmotor" hierdurch nicht abgewürgt, gerät aber spürbar ins Stocken. Dies bleibt ebenso am Aktienmarkt nicht ohne Folgen. Nach einem erneuten Kursrutsch in China musste auch der DAX Kursverluste hinnehmen und bleibt weiter unter der Marke von 11.000 Punkten. Vor allem die Sorge, wie es mit der Wirtschaft des Landes weitergeht, belastet und sorgt für Unsicherheit. Die ungeklärte Frage, ob Chinas Regierung wirklich alle Zahlen offenlegt oder ob vielleicht weitere Risiken lauern, wird die Finanzmärkte wohl auch weiterhin beschäftigen.

Bildnachweis: shutterstock.com

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