Das war kein gutes Jahr für den Rubel

Der russische Rubel hat seit Anfang des Jahres massiv an Wert verloren. Allein am Montag, dem 15. Dezember, verlor er etwa acht Prozent. Auch der radikale Zinsschritt der Notenbank konnte den Negativverlauf nicht stoppen. Als Gründe für die aktuelle Misere können neben den Sanktionen des Westens auch der niedrige Ölpreis sowie die nach wie vor lahmende russische Wirtschaft genannt werden.

Die Entwicklung der russischen Währung im Überblick

Der russische Rubel ist im Jahr 2014 die Währung mit dem größten Kursverlust. Allein seit Jahresanfang verlor der Rubel gegenüber dem US-Dollar 55 Prozent an Wert, gegenüber dem Euro büßte er rund 50 Prozent ein. Da war selbst die Entwicklung der ukrainischen Hrywnja besser. Die Gründe für die aktuell negative Entwicklung des Rubels, die bereits jetzt stark an den Rubelcrash von 1998 erinnern, sind vielschichtig. Zum einen wurde die russische Wirtschaft durch die Sanktionen des Westens geschwächt, die aufgrund der Beteiligung Russlands im Ukraine-Konflikt verhängt worden waren, zum anderen ist die Wirtschaft des Landes aber auch stark vom Öl abhängig. Erst ab einem Preis von rund 100 US-Dollar pro Barrel können alle Kosten gedeckt werden. Aktuell jedoch liegt der Rohölpreis bei gut 57 US-Dollar und somit knapp die Hälfte unter dem benötigten Wert. Mit anderen Leistungen kann Russland diesen Preisverfall kaum kompensieren. In der Folge reduzieren natürlich Investoren ihr Engagement in Russland. Gleichzeitig verlieren aber auch die Russen selbst das Vertrauen in die eigene Währung – den Rubel – was die Kapitalflucht weiter anheizt und die Abwärtsspirale befördert.

Die Devisenreserven schrumpfen weiter

Nach Angaben der Notenbank kann sich die Kapitalflucht in diesem Jahr auf bis zu 134 Milliarden Rubel belaufen. Noch immer jedoch liegen gut 1,5 Billionen Rubel auf privaten Konten, die noch immer umgetauscht werden könnten. Würde dies geschehen, könnte dies die Devisenreserven um weitere 20 Prozent reduzieren und damit Russlands Rückhalt vollkommen zerstören. Die Folgen des Rubel-Verfalls könnten für Russland dramatisch sein. So schrumpft die in Dollar gerechnete Wirtschaftsleistung allein durch den Währungsverlust um gut 1,1 Billionen Dollar und ist damit dem Kollaps nahe. Die Auslandsschulden jedoch, die in anderen Währungen lauten, bleiben konstant, was die Schuldenquote auf etwa 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts treiben und damit nahezu verdoppeln wird. Die externen Verbindlichkeiten von Staat und Unternehmen wären in Folge dessen wohl bald unbezahlbar – es droht der Staatsbankrott.

Die russische Notenbank greift ein

Um den Rubel wieder auf Kurs zu bringen, hat die russische Notenbank bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen. Neben einer Erhöhung der Leitzinsen wurden auch Währungsreserven in Höhe von 80 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Bislang erzielten diese Maßnahmen jedoch noch nicht die gewünschten Resultate – der Rubel sank weiter. Russlands Präsident Putin scheint nun ein Machtwort gesprochen zu haben. In der Nacht zum 16.12.2014 wurde der Leitzins nun um 6,5 Prozent angehoben. Dieser Schritt wirkt unter Experten jedoch wenig unabhängig und auch etwas panisch. Wie es scheint, gibt es kaum eine andere Möglichkeit, die russische Bevölkerung wie auch die Unternehmen dazu zu bewegen, das Geld im Land zu lassen und nicht in US-Dollar zu tauschen. Allein bei der russischen Otkritie Bank war die Nachfrage zuletzt auf das Dreifache gestiegen.

Die Folgen des Rubelcrashs für Russland und die russische Bevölkerung

Trotz der enormen Leitzinserhöhung verlor der Rubel auch am Dienstag, den 16. Dezember an Wert und setzte damit seine Talfahrt fort. Das Vertrauen in die russische Währung scheint verspielt, Finanzbeobachter gehen mittlerweile sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 35 Prozent davon aus, dass die Staatspleite unabwendbar ist. Doch nicht nur das Land selbst leidet unter den fallenden Rubel-Preisen. Auch die russische Bevölkerung ist betroffen. So liegt die Inflationsrate seit Jahresanfang bei gut zehn Prozent und könnte weiter steigen. Vor allem Lebensmittel werden teurer, was viele Menschen stark belastet und erstmals sogar auch die Regierung belasten könnte. Neben Russland geraten derzeit aber noch weitere Länder unter Druck. Hierzu gehören etwa Indonesien, Südafrika und die Türkei, die ebenso wie Russland ein hohes Handelsdefizit aufweisen. Sie sind permanent auf Handelszuflüsse von außen angewiesen, die jedoch aktuell ins Stocken geraten. Sollten die USA ihre Leitzinsen sogar noch anheben, könnte dies die genannten Länder extrem treffen. Bereits 1998 war nicht nur Russland bankrott, sondern auch andere Schwellenländer erlebten enorme Finanzturbulenzen, die sich sogar auf den DAX sowie andere Aktienmärkte auswirkten. Dieses Szenario kann sich durchaus wiederholen und erscheint derzeit gar nicht so abwegig.

 

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