Der Sinkflug geht weiter! – Leitzins auf Rekordtief 

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins in ihrer Sitzung Anfang September auf das historische Tief von 0,05 Prozent gesenkt. Gleichzeitig kündigte EZB-Chef Draghi an, ein Wertpapier-Ankaufprogramm zu starten, mit dem bis zu einer Billion Euro in die Märkte gepumpt werden. Die Folgen dieser Entscheidungen sind kaum absehbar.

EZB kämpft gegen drohende Deflation

Im Kampf gegen eine nach wie vor zu niedrige Inflation haben sich die Mitglieder der Europäischen Zentralbank Anfang September dazu entschlossen, den bis dahin geltenden Leitzins von 0,15 Prozent auf nur noch 0,05 Prozent zu senken. Geschäftsbanken haben die Möglichkeit zu diesem Zinssatz, Geld von der EZB zu leihen und dieses als Kredite an Unternehmen und Privatpersonen auszureichen. Banken, die sich stattdessen entschließen, Geld bei der EZB zu parken, müssen hingegen einen Strafzins entrichten. So soll die Kreditvergabe weiter angekurbelt werden. Aktuell liegt jedoch die Teuerungsrate in Europa laut der EU-Statistikbehörde Eurostat bei nur noch 0,3 Prozent. Um hier gegenzusteuern, wurde in der Sitzung Anfang Oktober der Start eines umfangreichen Wertpapier-Kaufprogramms ausgerufen. Die EZB will die Banken vor allem durch den Aufkauf von sogenannten ABS-Papieren (asset-backed securities, deutsch: forderungsbesicherte Wertpapiere – bei diesen zu einem Wertpapier verbrieften Forderungen, werden Zahlungsansprüche durch den Forderungsbestand als Vermögenswert gedeckt.) entlasten und damit erneut die Kreditvergabe erhöhen. Hierfür sollen bis zu einer Billion Euro als potenzielles Gesamtvolumen in die Hand genommen werden, auch der Aufkauf von Staatsanleihen wird diskutiert.

 

Die Folgen für Europa

Mit der Senkung der Leitzinsen verfolgt die EZB vor allem das Ziel, die Kreditvergaben im südlichen Europa zu erhöhen. Gleichzeitig soll die Ausweitung der Geldmenge die derzeit niedrige Inflation positiv beeinflussen. Bisher haben jedoch die durchgeführten Maßnahmen laut Einschätzung der führenden Wirtschaftsinstitute nur wenig Wirkung. Noch immer fehlt der nachhaltige Aufschwung, der durch die günstigen Kredite erzeugt werden soll. Ob dieser Aufschwung jetzt, da die EZB die Banken von faulen Darlehen befreien möchte, endlich eintritt, bleibt fraglich. Was die Zentralbank jedoch bereits erreicht hat, ist eine Senkung des Euro-Kurses im Vergleich zum US-Dollar. Lag der Kurs beispielsweise am 14. Juli 2008 noch bei 1,5901 US-Dollar, so ist er mittlerweile auf 1,2656 USD (Stand: 14.10.2014) gesunken (Tagesaktueller Börsenkurs EUR/USD: boerse.ARD). Durch diese Senkung werden Produkte aus Europa im nicht europäischen Ausland günstiger, was die Exporte ansteigen lässt. Gleichzeitig werden importierte Waren teurer, sodass sich Verbraucher eher dazu entscheiden, auf die vor Ort produzierten Waren zurückzugreifen. Auch so könnte die Konjunktur deutlich anziehen.

 Die Auswirkungen auf Anleger und Investoren

Was sich seitens der Kreditsuchenden aktuell besonders positiv darstellt – Zinssätze für Immobiliendarlehen und sogar Ratenkredite sind deutlich gesunken – stellt sich für Anleger auf der anderen Seite negativ dar. So haben viele Banken die Zinssätze auf Einlagen, insbesondere auf Tagesgeldkonten, Sparkonten und Girokonten in den vergangenen Monaten deutlich gesenkt. Oft liegt der Zins sogar auf dem Niveau des Leitzinses. Selbst bei längerfristigen Festgeldkonten schaffen es Anleger kaum noch, einen Zinsertrag zu erzielen und ihr Geld vor der Inflation zu schützen. Alternative Anlagen wie Wertpapiere, Edelmetalle oder Immobilien rücken daher jetzt vermehrt in den Fokus, da sie als Sachwerte nicht nur eine Wertstabilität bieten, sondern gleichzeitig eine attraktive Rendite ermöglichen. Wie sich allerdings zeigt, bilden sich bereits neue Blasen, etwa im Immobiliensektor. Lediglich bei Edelmetallen wie Gold und Silber sowie bei Diamanten sehen Experten noch "Luft nach oben". Diese Anlageobjekte haben bisher kaum profitiert, bieten aber noch deutlich mehr Chancen als Risiken. Für Anleger wird es in Zukunft immer wichtiger, Vermögen sinnvoll zu diversifizieren und dabei in verschiedene Assetklassen zu investieren. Ein Handbestand an Edelmetallen zur Krisensicherung bietet sich ebenfalls an.

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