Die Franken-Falle hat zugeschnappt

Die Schweizer Notenbank hat sich angesichts des schwachen Euros entschieden, ihre Praxis der Mindestkurse vorerst aufzugeben. Dies hatte einen stark steigenden Franken-Kurs zur Folge, der nun nicht nur die Wirtschaft der Eidgenossen beeinträchtigt. Auch Kreditnehmer, deren Finanzierung in Schweizer Franken abgeschlossen wurde, haben jetzt das Nachsehen.

Aufwertung des Schweizer Franken

Im Jahr 2011 hatte sich die Schweizer Nationalbank entschieden, einen Mindestwechselkurs von Euro und Franken festzulegen. Dieser war notwendig geworden, da der Franken stetig gestiegen und gleichzeitig der Euro – nicht zuletzt durch die Belastungen der Schuldenkrise – immer weiter gesunken war. Seither wurde festgelegt, dass ein Euro mindestens 1,20 Franken kosten solle. Um diesen Wechselkurs zu garantieren, wurden Euro gekauft, wenn der Wechselkurs abzurutschen drohte. Mit dieser Praxis will die Schweizer Nationalbank jetzt jedoch brechen. Sie wird künftig keine Euro mehr ankaufen und hat dabei auch den Mindestkurs aufgegeben. Ab sofort wird sich der Wechselkurs an den Märkten nach Angebot und Nachfrage bestimmen und wohl deutlich steigen. Bereits am Tag der Ankündigung schoss der Franken in die Höhe und kostete zeitweise nur noch 0,85 Euro. Obwohl er danach wieder kurzzeitig gesunken ist, liegt der Wechselkurs derzeit auch nur bei etwa einem Euro. (Siehe Kursverlauf)

Die Betroffenen der Franken-Aufwertung

Die Franken-Aufwertung wird in vielen Bereichen deutlich. Vor allem in der Exportwirtschaft, aber auch im Tourismus sind die Folgen bereits heute zu spüren. Durch den höheren Franken-Kurs werden Waren aus dem Alpenland nämlich deutlich teurer. Wer in Grenznähe zu Deutschland wohnt, nutzt daher gern die Möglichkeit, ins Nachbarland zu reisen, um dort einzukaufen. Viele Waren sind im Ausland nämlich durch den starken Franken nämlich deutlich billiger geworden. Schweizer Firmen jedoch müssen zum Teil hohe Umsatzrückgänge verkraften. Sie verlieren erheblich an Wettbewerbsfähigkeit und müssen nun versuchen anderweitig am Markt zu punkten. Erheblich teurer wird auch ein Urlaub in der Schweiz. Sowohl für Übernachtungen als auch für Restaurantbesuche müssen Gäste nun deutlich tiefer in die Tasche greifen als etwa im Nachbarland Österreich, wo durch den Euro ein nahezu einheitliches Preisniveau im Vergleich zu Deutschland herrscht. Es ist daher zu erwarten, dass Urlauber auf Alternativen ausweichen, um für ihren Urlaub nicht noch mehr Geld ausgeben zu müssen.

Kredite in Schweizer Franken werden zum Verlustgeschäft

Noch vor einigen Jahren war es durchaus lukrativ, Kredite in Schweizer Franken aufzunehmen. Als der Leitzins der Europäischen Zentralbank im Sommer 2008 noch bei 4,25 Prozent lag, waren die Zinsen im Nachbarland deutlich günstiger. Sowohl Bauherren als auch Kommunen hatten sich daher nicht selten entschieden, einen Kredit in Schweizer Franken aufzunehmen, um vom dortigen niedrigen Zinsniveau zu profitieren. Im Unterschied zu Deutschland waren Einsparungen von mehreren Prozentpunkten möglich. Gleichzeitig bestand aufgrund des starken Euros durchaus die Möglichkeit, Währungskursgewinne zu erzielen. Seit 2008 jedoch sank der Wechselkurs von Euro und Schweizer Franken und spätestens mit der Einführung des Mindestwechselkurses waren viele dieser Kredite bereits ein Verlustgeschäft. Durch den hohen Franken hat sich die Kreditschuld nämlich ebenfalls erhöht, was schließlich höhere Belastungen zur Folge hatte. Für Kommunen wie die Stadt Essen bedeutet dies Verluste in Millionenhöhe.

Für die derzeit richtige Reaktion gibt es kein Geheimrezept

Wenn auch Du noch einen Kredit in Schweizer Franken nutzt, solltest Du jetzt gut überlegen, wie Du weiter verfahren willst. Zum einen besteht natürlich die Möglichkeit den Kredit zu kündigen. Dieser wird jetzt zum aktuellen Kurs abgerechnet, sodass die Verluste begrenzt werden können. Viele Schweizer Kredite wurden ohnehin mit variabler Verzinsung ausgestattet und können nun ohne größere Verluste zurückgezahlt werden. Voraussetzung ist natürlich eine deutsche Bank, die den Kredit übernimmt und Dir die Umschuldung ermöglicht. Bei guter Bonität und gesichertem Einkommen dürfte das aber kein Problem sein. Die zweite Alternative ist: Abwarten. Sollte sich der Euro erholen, etwa wenn die Südstaaten Griechenland, Spanien und Portugal ihre Probleme in den Griff bekommen und auch die Maßnahmen der EZB greifen, wird auch der Euro wieder an Stärke gewinnen. Wenn Du also darauf vertraust, dass der Euro seine Schwäche überwindet, solltest Du den Kredit auch weiterhin nutzen. Auch viele Kommunen versuchen jetzt, Ruhe zu bewahren und keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Welche Entscheidung letztlich die Richtige ist, wird sich ohnehin erst in einigen Wochen oder Monaten zeigen.

 

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