Die Geldflut der EZB und ihre möglichen Folgen

Bereits seit einiger Zeit kommt die Wirtschaft im Euroraum kaum in Fahrt. Geringe Investitionen und eine niedrige Inflationsrate könnten sogar der Auslöser einer Deflation sein. Um dem entgegen zu wirken, hat die EZB jetzt beschlossen, Staatsanleihen mit einem Volumen von 1,1 Billionen Euro anzukaufen und dieses Geld den Märkten zur Verfügung zu stellen. Ob dies zu einem Ankurbeln der Konjunktur führen wird, ist jedoch unsicher.

Mit dem Anleihekaufprogramm der Deflation entgegen wirken

Die Wirtschaft in Europa kommt seit der Wirtschafts- und Bankenkrise im Jahr 2008 nur noch schwer in Fahrt. Darunter leiden vor allem die Krisenländer in Südeuropa, in denen die Wirtschaftskraft sinkt, die Arbeitslosigkeit aber immer weiter steigt. Gleichzeitig sinkt in ganz Europa das Inflationsniveau. So betrug zuletzt die Teuerung im Euroraum nur noch beunruhigende 0,3 Prozent. Damit droht eine Deflation, die eine Spirale aus weiter sinkenden Preisen, sinkender Produktivität und hoher Arbeitslosigkeit nach sich zieht. Um diese zu vermeiden und die Kreditvolumina wieder zu erhöhen, hat die EZB in den vergangenen Monaten bereits mehrfach die Zinsen gesenkt. Der Leitzins liegt nun nur noch bei 0,05 Prozent, gleichzeitig erhebt die Zentralbank Strafzinsen für alle Institute, die Geld bei der EZB parken. Eine massive Ausweitung der Kreditvergabe konnte allerdings auch hiermit nicht erreicht werden. Daher hat die EZB nun den Beschluss gefasst, ein Anleihekaufprogramm zu starten, das ein Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro haben wird.

Die Auswirkungen des Anleihekaufprogramms in der Theorie

Ein Anleihekaufprogramm, durch das die EZB die Möglichkeit bekommt Staatsanleihen zu erwerben, wurde bereits länger diskutiert. Nun haben die Mitglieder der EZB beschlossen, pro Monat Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Euro anzukaufen, was einem Volumen von 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Bis September 2016 sollen über dieses Quantitative Easing nun 1,14 Billionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Die Ankäufe sollten helfen, die Inflation in Europa zu steigern und Investitionen zu fördern. Gleichzeitig erhöht sich durch den Aufkauf der Anleihen das Angebot an Euros, was wiederum dessen Wert senkt. Eine niedrige Währung ist dabei sogar gewollt, denn sie sorgt dafür, dass Erzeugnisse aus Europa deutlich günstiger werden, da dies im Umkehrschluss die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Länder und damit auch die Konjunkturaussichten erhöht. Sollte der Plan der EZB aufgehen, könnten Firmen aus Europa damit ihren Umsatz und Gewinn deutlich steigern und schließlich beispielsweise auch mehr Mitarbeiter einstellen. Dies hat zur Folge, dass letztendlich mehr Menschen in den Konsum investieren und damit für eine Eigendynamik sorgen.

Anleihekaufprogramm birgt Risiken

Mit dem neuen Anleihekaufprogramm verbindet die EZB enorme Hoffnungen. Schließlich hat auch die Fed (Federal Reserve Bank) in den USA massiv Anleihen aufgekauft und damit eine Stabilisierung der Wirtschaft erreicht. Mittlerweile konnte das Quantitative Easing in den USA bereits wieder abgesetzt werden. Ob die Maßnahmen jedoch auch in Europa greifen, bleibt ungewiss, denn bislang hat es einen solchen Schritt noch nicht gegeben. Sollten die Pläne von EZB-Chef Mario Draghi jedoch aufgehen, könnten sich bereits in wenigen Wochen erste Erfolge zeigen. Kritiker merken jedoch an, dass ein solches Programm auch enorme Risiken mit sich bringt. So zeigen sich bereits jetzt erste Preisblasen bei Immobilien, wobei die Preise vor allem in den Ballungsgebieten steigen. Auch einige Aktienkurse sind bereits stark gestiegen, teilweise sogar schneller als die Gewinne der Unternehmen. Sollten diese Blasen platzen, könnte Experten zufolge eine neue Krise drohen.

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