Das war wohl (vorerst) nichts: Fed belässt Leitzinsen

Die amerikanische Notenbank Fed (Federal Reserve System) hatte bereits des Öfteren angekündigt, die Leitzinsen wieder anheben zu wollen. Bei ihrer aktuellen Sitzung jedoch wurde keine Erhöhung beschlossen. Das historisch niedrige Zinsniveau bleibt damit erhalten. Ein Hinweis auf die Dezember-Sitzung jedoch ließ die Marktteilnehmer aufhorchen und gilt bei Experten als Signal für eine Trendwende.

Normalisierung der Zinsen seit langem geplant

icon_bildung2Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte sich die amerikanische Notenbank Fed bereits Ende 2007 dafür entschieden, die Leitzinsen massiv zu senken, um Geld in die Märkte zu pumpen. Bereits seit Dezember 2008 gilt ein Leitzins nahe null Prozent, was Kreditvergaben besonders günstig werden ließ. Das nachfolgende Anleihekaufprogramm sorgte für zusätzliche Impulse, wurde aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklungen allerdings im Oktober 2014 eingestellt. Seitdem rechnen Börsenexperten damit, dass auch die Leitzinsen wieder auf normale Maße angehoben werden. Auch Fed-Chefin Janet Yellen hatte wiederholt angekündigt, noch im Jahr 2015 die Niedrigzinspolitik beenden zu wollen, da sich die Konjunktur gefestigt hätte. Die Krise in China sowie das Schwächeln einiger anderer Schwellenländer hatte jedoch Zweifel genährt, ob der Aufschwung in den USA tatsächlich selbsttragend ist oder ob nach wie vor die Stimulans der Notenbanken benötigt wird. Gleichzeitig warnten Weltbank und Internationaler Währungsfonds davor, die Zinsen kurzfristig stark anzuheben, da einige Schwellenländer durch eine Kreditaufnahme in US-Dollar in einem solchen Fall zusätzliche Belastungen tragen müssten.

Risiken der Zinserhöhung sind geringer

icon_Daumen_hochIn ihrer aktuellen Sitzung beließ die Fed demnach den Zinssatz für die Versorgung der Banken auf dem aktuellen Niedrigniveau. Allerdings wies sie darauf hin, dass die drohenden Gefahren für die US-Wirtschaft aus dem Ausland deutlich geringer geworden sind. Auch die Auswirkungen des Börsen-Bebens in China sind wohl nicht so gravierend. Letztlich ist das Beschäftigungsniveau in den USA in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und das Ziel der Vollbeschäftigung wurde annähernd erreicht. Allerdings muss beachtet werden, dass die amerikanische Notenbank mit einer möglichen Leitzinserhöhung gegen den Strom schwimmen würde, denn andere Notenbanken – einschließlich die EZB – werden ihre Niedrigzinspolitik weiterhin beibehalten. Dies könnte dazu führen, dass vermehrt Geld in den USA angelegt und aus anderen Regionen abgezogen würde. Dies wiederum könnte den Kurs des US-Dollars steigen lassen und Produkte aus den USA verteuern. Für Europa wäre diese Entwicklung aus Sicht der Notenbank nicht unbedingt negativ, denn die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte könnte hierdurch gestärkt werden.

Das Warten auf die Dezember-Sitzung

icon_einstellungenAlle Aussagen deuten aktuell also darauf hin, dass die Fed die Zinswende bereits im Dezember wagen will und die Leitzinsen anheben wird. Voraussetzung hierfür ist allerdings – so Fed-Chefin Yellen – eine stabile Konjunktur und die weitere Vollbeschäftigung. Sorge bereitet aktuell einzig die Kauflaune der US-Verbraucher, die sich bereits seit dem Sommer eintrübt. Diese ist jedoch wichtig, denn in den USA sorgt der private Konsum für etwa 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Es bleibt also abzuwarten, wie die Entwicklung bis Dezember fortschreiten wird und ob dann eine Zinswende eingeläutet werden kann. Bis dahin bleibt es den Spekulationen der Marktteilnehmer überlassen, wie mit den aktuellen Aussagen umgegangen wird. So sorgte bspw. die aktuelle Sitzung durchaus für positive Signale und damit für ein deutliches Plus im DAX. Vor allem die Tatsache, dass der Euro durch die Zinsentscheidung in den USA geschwächt werden könnte, ist Antrieb für den deutschen Aktienmarkt. Die Chancen auf eine Jahresend-Rally stehen somit nicht schlecht.

 

War der Artikel hilfreich?
0 x 0 x

Kommentar hinterlassen

Sicherheitsfrage:?

Mögliche Zeichen: 1000
Senden

Ihr habt gewählt. Das sind die besten Anbieter im Bereich: FOREX