Franken-Schock – Für die Schweizer Wirtschaft wird’s brenzlig

Nachdem die Schweizer Nationalbank im Januar den Mindestwechselkurs zum Euro aufgehoben hatte, ist der Franken stark gestiegen. In der Folge wurden nicht nur Urlaubsreisen in die Schweiz teurer. Auch für Waren, die im Alpenland produziert werden, fallen höhere Kosten an. Aktuellen Berichten zufolge sind nun mehr als 30.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Die starke Aufwertung des Franken bedroht die Wirtschaft

icon_ProzentzeichenIm Januar 2015 hatte sich die Schweizer Nationalbank überraschend entschieden, die bis dahin geltende Untergrenze für einen Wechselkurs zwischen Euro und Franken von bislang 1,20 Franken abzuschaffen. In der Folge schnellten die Kurse steil nach oben, aktuell werden für einen Euro noch 1,05 Franken gezahlt. Dieser steile Kursanstieg macht mittlerweile vielen Branchen zu schaffen. Urlauber beispielsweise meiden die Schweiz, da Unterkünfte und Restaurantbesuche hier zum Teil erheblich teurer geworden sind. Aber auch für viele exportierende Unternehmen ist die Lage ernst. Laut Jan-Egbert Sturm, dem Leiter der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule sind Bestellungen zum Teil um bis zu 15 Prozent eingebrochen. Selbst die Chemie-, Nahrungsmittel- sowie Pharmabranche, die in den vergangenen Jahren stabile Erträge erzielen konnten, sind betroffen. Ein Ausgleich mit Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen allein ist für die meisten Firmen nicht zu schaffen. Sie schreiben bereits tiefrote Zahlen, die wohl in den kommenden Wochen und Monaten gravierende Folgen haben werden.

Mehr als 30.000 Arbeitsplätze gefährdet

icon_ausrufezeichenDie aktuelle Entwicklung führt dazu, dass viele Unternehmen prüfen, wie ihre Lage gebessert werden kann, um Gewinn und Rendite wieder zu steigern. Eine Erhöhung der Preise ist nur schwer machbar, denn dies reduziert die Konkurrenzfähigkeit und damit das Auftragsvolumen. Neben der Auslagerung von Produktionsstätten in andere, günstigere Länder denken einige Firmen auch darüber nach, Arbeitsplätze zu streichen und Mitarbeiter zu entlassen. Arbeitgeber-Präsident Vogt spricht mittlerweile davon, dass in der Schweiz rund 30.000 Arbeitsplätze gefährdet sind. Zwar dürften viele Firmen den ersten Preisschock bald verdaut haben, denn auch Kunden haben sich auf den höheren Wechselkurs eingestellt. Dennoch schrumpft die Schweizer Wirtschaft. Für das aktuelle Jahr wird Prognosen zufolge nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,8 Prozent gerechnet. Im März wurde noch von einem BIP-Wachstum von einem Prozent ausgegangen. Wie gut sich die Wirtschaft künftig auf den neuen Wechselkurs einstellt, bleibt allerdings abzuwarten. Klare Aussagen sind hier wohl erst in einigen Monaten möglich.

Die Reaktionen der Schweizer Nationalbank

icon_geldsackGrundsätzlich ist es natürlich nicht die Aufgabe einer Nationalbank, einen festen Wechselkurs zu subventionieren und die Wirtschaft zu unterstützen. Dennoch fordern viele Politiker eine Reaktion. Wie diese jedoch aussehen soll, ist umstritten. So fordern einige Schweizer etwa die Einführung eines neuen Mindestkurses, was aus heutiger Sicht allerdings eher schwierig ist. Vielmehr soll der Kurs des Schweizer Franken nun durch den Strafzins auf Bankeinlagen geschwächt werden. Der Abschlag beträgt derzeit 0,75 Prozent und wird wohl bis zum Juni des kommenden Jahres beibehalten. Erst dann ist eine Reduzierung im Gespräch. Sollte erneut eine Geldwelle auf die Schweiz zurollen, behält sich der Präsident der Schweizer Nationalbank, Thomas Jordan, zudem vor, erneut am Devisenmarkt einzugreifen, um negative Folgen abzuwenden. Aktuell liegt die Teuerung im Alpenland im Jahresmittel bei minus ein Prozent, für das kommende Jahr ist ein Preisabschlag von 0,5 Prozent prognostiziert.

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