Griechische Bevölkerung sagt Nein zu weiteren Sparmaßnahmen – Ein Wiedersehen mit der Drachme?

Die griechische Bevölkerung hat sich mit einem klaren „Nein“ im Referendum gegen weitere Sparmaßnahmen ausgesprochen. Ob damit jedoch auch der Austritt aus dem Euro verbunden ist, bleibt weiter unklar, denn erst die kommenden Verhandlungstage in Brüssel werden zeigen, welche Richtung eingeschlagen wird. Die Börsen reagieren mit Kursverlusten, auch wenn diese weit weniger heftig ausfallen als erwartet.

Die Griechen sprechen sich gegen weitere Sparmaßnahmen aus

icon_Gespraech1In einem einmaligen Referendum wurden die Griechen am Sonntag, den 05. Juli 2015, aufgerufen, nach dem Scheitern der Verhandlungen am vergangenen Wochenende für oder gegen die Spar- und Reformvorschläge der internationalen Geldgeber abzustimmen. Ein „Ja“ auf dem Stimmzettel hätte bedeutet, dass die Reformvorschläge akzeptiert und weitere Kredite zu den Bedingungen der Geldgeber ausgezahlt worden wären. Hierfür jedoch sprachen sich gerade einmal 38,69 Prozent der Wähler aus. Die größere Mehrheit – nämlich 61,31 Prozent – hingegen stimmte für „Nein“. Sie wollen sich demnach nicht mehr dem Spardiktat der europäischen Staatengemeinschaft unterwerfen und fordern in diesem Zusammenhang weitgehende Zugeständnisse. Hierzu könnten neben einem Schuldenschnitt auch Hilfskredite gehören, mit denen die Wirtschaft angekurbelt werden soll.

Der „Grexit“ wird immer wahrscheinlicher

icon_LupeMit dem "Oxi", also dem „Nein“ der Griechen zu den Sparauflagen der Geldgeber, wird der „Grexit“ – also der Austritt Griechenlands aus dem Euro – immer wahrscheinlicher. Dies könnte schließlich die Wiedereinführung der griechischen Drachme zur Folge haben. Für viele Ökonomen wäre das sogar ein durchaus akzeptables Szenario, denn dies könnte das Land in die Lage versetzen, ihre Währung abzuwerten und wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Zwar werden die europäischen Staaten die Verhandlungen mit der griechischen Regierung jetzt nicht torpedieren, denn ein erneutes Krisentreffen ist bereits für Dienstag, den 07. Juli, geplant. Doch der zeitliche Rahmen ist sehr eng gesteckt und der Korrdior für mögliche Zugeständnisse eher gering. Würde man den Wünschen der Griechen jetzt vollkommen entsprechen – d.h. weitere Kredite ohne wirkliche Auflagen bewilligen – würde dies Begehrlichkeiten in einigen anderen Ländern wie Italien, Spanien oder Portugal wecken, wo noch in diesem Jahr Wahlen anstehen. Bereits am 20. Juli steht eine Zahlung in Höhe von 3,5 Milliarden Euro in Form von Staatsanleihen an. Gerät Griechenland auch mit dieser Zahlung in Verzug, würden die Ratingagenturen das Land schließlich als „zahlungsunfähig“ einstufen – das griechische Bankensystem wäre in diesem Fall insolvent.

Neue Hoffnung mit neuem Finanzminister

icon_Daumen_hochTrotz der schwierigen Lage reagieren die Anleger an den Börsen besonnen. Zwar rutschte der DAX im vorbörslichen Handel um gut drei Prozent ab, erholte sich danach jedoch wieder und war zum Mittag des 05.07.2015 bei nur noch 0,7 Prozent im Minus. Als Gründe hierfür nennen Analysten das „Prinzip Hoffnung“, das nach wie vor vorhanden ist. Vor allem der Rücktritt des bei den Verhandlungspartnern unbeliebten Finanzministers Gianis Varoufakis sowie die Entscheidung der EZB, kurzfristig die Anleihekäufe auszuweiten, scheinen die Händler zu beruhigen. Sie gehen davon aus, dass die internationale Gemeinschaft wohl doch noch zu einer Lösung kommen wird. Wie diese allerdings aussieht bleibt abzuwarten. So sprechen sich aktuell immer mehr Experten laut für den Grexit aus. Sollte dieser doch noch kommen, könnte es an den Börsen deutlich turbulenter zugehen. Betroffen wären nicht nur der DAX und der EuroStoxx 50, auch die ausländischen Börsen in Asien würden unter Druck geraten. Bereits in der Nacht vom Sonntag zum Montag waren hier Verluste von gut zwei Prozent entstanden. Um den Verhandlungszeitraum zu strecken, wird sich wohl auch die EZB dafür entscheiden, die Notfallkredite – sogenannte „Emergency Liquidity Assistance“ (kurz: ELA-Kredite) – auf dem aktuellen Stand zu belassen. Sie sollen den griechischen Banken helfen, ihre Verpflichtungen gegenüber den Kunden zu erfüllen und weiterhin Geld auszuzahlen.

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