Hypo Alpe Adria – Und wer zahlt nun die Schulden?

Weil der österreichische Staat die Schulden der Hypo Alpe Adria nicht mehr bedienen möchte, drohen nun auch deutsche Banken in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Ein möglicher Schuldenschnitt könnte bei vielen Instituten enorme Verluste verursachen und deren Bilanzen schwächen. Vor allem die Frage nach der Werthaltigkeit von Staatsgarantien beschäftigt in diesem Zusammenhang die Märkte.

Die Geschäfte der Hypo Alpe Adria

Über viele Jahre hinweg verfolgte die Hypo Alpe Adria den Ausbau ihrer Geschäfte in den Balkanländern. Die Investitionsmilliarden wurden dabei vom österreichischen Bundesland Kärnten garantiert und von verschiedenen Institutionen erworben. Hierzu gehören laut Angaben der Süddeutschen Zeitung auch die Münchner Rück, die Allianz, die Kommunalbank Deutschland sowie die Düsseldorfer Hypothekenbank. Aufgrund der positiven Geschäftsergebnisse kaufte die Bayern LB, die ebenfalls expandieren wollte, das Geldinstitut. Unerfreulicherweise entwickelten sich die Geschäfte auf dem Balkan nicht wie gewünscht. Schon bald standen Verluste in Höhe von mehreren Milliarden Euro zu Buche. 2009 wurde die Hypo Alpa Adria daher an Österreich zurückgegeben - für einen symbolischen Preis von einem Euro. Das Land überführte die Verbindlichkeiten in die „Bad Bank“ Heta, die sich fortan um die Tilgung der Schulden kümmerte. Jetzt jedoch haben Wirtschaftsprüfer ein Kapitalloch in Höhe von 7,4 Milliarden Euro entdeckt. Für diese Verbindlichkeiten will Österreich nun nicht mehr gerade stehen und fror daher alle noch vorhandenen Anleihen ein.

Kärnten kann die Schulden nicht tragen

Das österreichische Bundesland Kärnten bürgt aktuell mit einer Summe von 10,2 Milliarden Euro für die Rückzahlung der Heta-Anleihen. Dies kann nun zum großen Problem werden, denn der Jahresetat Kärtnens liegt bei gerade einmal zwei Milliarden Euro. Nun müsste Österreich eintreten und alle Schulden begleichen. Österreich jedoch will hierfür nicht einstehen, was die Rückzahlung der Anleihen in Gefahr bringt. Diese Risiken jedoch wären bei einem Kauf nie offensichtlich gewesen, denn Papiere mit einer Staatsgarantie gelten gemeinhin als risikolos. In diesem Zusammenhang stellt sich nun die Frage, ob Anleger noch auf derartige Garantien vertrauen können oder ob generell damit gerechnet werden muss, dass diese Papiere ausfallen könnten. Als Privatanleger müsstest Du dann auch einen Blick auf den Garantiegeber werfen und kannst erst dann entscheiden, wie sicher eine Anleihe tatsächlich ist. Dies könnte den Finanzmarkt enorm belasten und die Ausgabe von gesicherten Anleihen zur Finanzierung von Kommunen oder Investitionsvorhaben erschweren.

Anleger klagen gegen Österreich

Die Tatsache, dass sich Österreich nun aus der Verantwortung ziehen will, soll nun Gegenstand einer Gerichtsverhandlung sein. Österreich selbst bezieht sich auf ein Gesetz, nach dem auch die Gläubiger von Banken an deren Rettung beteiligt werden sollen. Diese Richtlinie sollte jedoch auf neue Fälle angewendet werden, Altfälle oder gar Bad Banks ohne entsprechende Bankenlizenz sollten hiervon nie betroffen sein. Österreich sieht das anders und will bis 2016 erst einmal keine Gelder mehr zahlen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen alle Engagements in den Balkanländern verkauft und die Gelder gesammelt werden. Anschließend wird dann ein Schuldenschnitt von bis zu 50 Prozent erwartet. Für deutsche Institutionen und Banken könnte dies einen Verlust von insgesamt 1,5 Milliarden Euro bedeuten. Die Gläubiger hoffen daher auf eine Entscheidung des österreichischen Verfassungsgerichtshofs, der sich mit der Gesetzgebung beschäftigt. Hier muss dann die Frage behandelt werden, wie weit Staatsgarantien gehen und welche Summen Österreich nun übernehmen müsse.

 

War der Artikel hilfreich?
0 x 0 x

Kommentar hinterlassen

Sicherheitsfrage:?

Mögliche Zeichen: 1000
Senden

Ihr habt gewählt. Das sind die besten Anbieter im Bereich: AKTIENDEPOT