In Russland steigt die Angst vor einem Bank-Run – Bargeldauszahlungen werden begrenzt

Mit einer kräftigen Leitzinserhöhung von 10,5 auf 17 Prozent versuchte die Notenbank im Dezember, den Rubel-Verfall aufzufangen. Bis heute konnte sich der Rubel-Kurs jedoch nicht mehr erholen, die Wirtschaftsleistung des Landes sinkt. Die Inflation hingegen befindet sich nach wie vor auf Rekordniveau. Mittlerweile befürchten Experten sogar einen Banken-Run, denn die Nachfrage der Russen nach Bargeld ist so groß wie lange nicht. 

Hohe Inflationswerte machen das Leben in Russland teuer

Mit ihrer Leitzinserhöhung verfolgte die Russische Notenbank vor allem das Ziel, die immer weiter steigende Inflation aufzufangen. Vor allem Waren aus dem Westen verteuerten sich in Folge des Rubel-Verfalls stetig. Lag die Inflation im Dezember 2014 bei 11,4 Prozent, rechnen Experten für den Januar 2015 gar mit einer Teuerungsrate von 13,3 Prozent. Aufgrund dieser Entwicklung ergeben sich für viele Russen Probleme, denn auch zahlreiche Grundnahrungsmittel sind teurer geworden. Da die Regierung auch bis zum Jahresende mit einer Inflation von zwölf Prozent rechnet, wird derzeit erwogen, Höchstpreise für Nahrungsmittel festzulegen. Schon heute prüfen Kontrolleure, ob einige Supermärkte ungerechtfertigte Preiserhöhungen durchgesetzt haben, um ggf. Einschränkungen durchzusetzen. Neben dem Rubel-Verfall spielen bei der Preiserhöhung für Nahrungsmittel auch die Sanktionen des Westens eine Rolle, durch die Russland gezwungen ist, vermehrt auf eigene Produkte zurückzugreifen.

Ratingagentur stuft Russland herab

Einen weiteren Nackenschlag erhielt Russland, als die internationale Ratingagentur Standard & Poors (S&P) die Bonität des Landes vom bisherigen Rating BBB- auf BB+ herabgestuft und den Ausblick negativ bewertet hat. Als Grund für diese Wertung werden vor allem die derzeitig schlechten politischen Rahmenbedingungen sowie die mangelnde demokratische Gewaltenteilung genannt. Anleihen Russlands haben damit nur noch „Ramsch“-Niveau, die Rendite zweijähriger Anleihen kletterte mittlerweile auf 16 Prozent. Russland sieht in dieser Herabstufung jedoch vor allem politisches Kalkül. Im Unterschied zur amerikanischen Ratingagentur vergab die chinesische Agentur Dagong nämlich das Rating "A", das für eine solide Finanzkraft spricht. Politische Besonderheiten haben die Chinesen dabei nach eigenen Aussagen außer Acht gelassen. Betrachtet man lediglich die Schuldenquote, die bei weniger als 20 Prozent der Wirtschaftsleistung liege sowie die hohen Gold- und Devisenreserven in Höhe von 379 Milliarden Dollar, sei Russland durchaus stabil. Laut S&P ist es aber nicht möglich, die politische Entwicklung nicht einzubeziehen, da die Politik in Russland einen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage nehme. Zudem sinken Wirtschaftsleistung und Währungsreserven, was die finanziellen Puffer wiederum deutlich begrenzt.

Einschränkungen für Verfügungen am Geldautomaten

Dass die Lage durchaus bedrohlich ist, zeigt die Kapitalflucht aus Russland. Auch wenn die Zentralbank den Schlüsselzins für die Bargeldversorgung von 17 auf 15 Prozent gesenkt hat, wollen viele Russen ihre Rubel vom Konto abheben und in sicherere Währungen wie Euro oder US-Dollar eintauschen. Um diese Kapitalflucht zumindest einzudämmen, hat sich mit der Sberbank nun das größte russische Institut entschieden, Einschränkungen für die Bargeldversorgung zu erlassen. Mit der Visa Classic sowie der MasterCard Standard können pro Tag nun nur noch 50.000 Rubel – das entspricht etwa 630 Euro – abgehoben werden. Der elektronische Zahlungsverkehr jedoch läuft nach wie vor. Trotz dieser Maßnahmen wird die russische Wirtschaft im Laufe des Jahres wohl weiter schrumpfen, die Notenbank erwartet einen Rückgang von 3,2 Prozent. Ob sich Russland von dieser Krise kurzfristig erholen kann, bleibt angesichts des weiterhin niedrigen Ölpreises sowie des niedrigen Rubel-Wechselkurses fraglich.

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