Islamic Banking in Deutschland – Erste islamische Bank erhält Lizenz

Mit der Kuveyt Türk Bank AG wird im Sommer die erste islamische Bank in Deutschland eröffnen. Das türkische Tochterunternehmen des Kuwait Finance House plant erste Filialen in Mannheim, Frankfurt und Berlin zu starten. Bei entsprechendem Erfolg ist der Ausbau des Geschäftsmodells möglich.

Produkte für islamische Kunden

Bereits seit einigen Jahren werden verschiedene Anlage- und Kreditprodukte offeriert, die sich speziell an Muslime richten. Bislang konnten sich diese Produkte jedoch kaum durchsetzen, da die Skepsis den deutschen Banken gegenüber nach wie vor enorm groß ist. Mit einer islamischen Hausbank könnte dies nach Ansicht der Kuveyt Türk Bank jedoch anders werden. Statistiken sollen belegen, dass etwa 21 Prozent der rund 4,5 Millionen Muslime in Deutschland einer islamischen Bank vertrauen und sie sogar als Hausbank wählen würden. Auch muslimische Geschäftskunden suchen den Angaben der Bank zufolge einen passenden Partner in Geld- und Finanzfragen. Dieser Partner will die Kuveyt Türk Bank sein, die bereits 2012 eine Niederlassung in Mannheim eröffnete. Für das Geldhaus ist dies ein riesiger Markt, der hohe Gewinne verspricht. Jetzt erhielt das Haus die lang erwartete Lizenz und kann wohl bereits im Sommer mit der Einrichtung ihrer ersten Filialen im Bundesgebiet starten.

Unterschiede zwischen deutschen und muslimischen Banken

Betrachtet man die Geschäftsmodelle von deutschen und muslimischen Banken, werden einige Besonderheiten deutlich. Da sich die Bank streng nach dem Koran richtet, müssen sie und natürlich auch Du als Kunde verschiedene Vorschriften beachten. Hierzu gehört beispielsweise, dass keine Spekulationsgeschäfte getätigt werden und auch keine Geschäfte mit Firmen und Unternehmen abgewickelt werden, die etwa Schweinefleisch verkaufen oder generell als unschicklich eingestuft werden. Damit verfolgt die Bank ein nachhaltiges Geschäftsmodell, das auch von immer mehr Deutschen favorisiert wird. Der wohl wichtigste Unterschied ist jedoch die Tatsache, dass Banken laut dem Koran keine Zinsen von ihren Kunden fordern dürfen. Die Vergabe von Krediten ist damit nahezu ausgeschlossen. Wollen muslimische Kunden ein Haus kaufen, wird die Bank in einem solchen Fall als Käufer auftreten und das Objekt erwerben. Die Weitergabe an die späteren Eigentümer erfolgt dann mit einem entsprechenden Abschlag. So gesehen musst Du als Kunde dann natürlich doch einen Obolus an die Bank entrichten, auch wenn er nicht „Zins“ genannt wird.

Kontinuierlicher Ausbau des Filialnetzes

Die in Istanbul ansässige Kuveyt Türk Bank arbeitet in Deutschland als Tochter des Kuwait Finance House, das sich vorwiegend im Besitz kuwaitischer Investoren befindet. Da das Geschäftsmodell sehr positiv eingeschätzt wird, geht das Geldhaus davon aus, dass es in den kommenden drei bis vier Jahren zahlreiche Kunden gewinnen und eine Bilanzsumme im mittleren dreistelligen Millionenbereich erreichen wird. Damit wäre die neue islamische Bank etwa so groß wie eine kleinere Sparkasse oder Volksbank. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen natürlich weitere Filialen folgen, die vor allem in Großstädten mit entsprechendem Anteil an muslimischen Einwohnern eröffnet werden. Doch auch deutsche Kunden gehören zur Zielgruppe der Bank, denn auch sie können vom „Islamic Banking“ mit seinem nachhaltigen und sozialen Geschäftsmodell profitieren. Ist die Bank in Deutschland erfolgreich, soll der Ausbau auch in anderen europäischen Städten folgen und zum flächendeckenden Erfolgsmodell werden.

 

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