So gibst Du Zinsen und Kursgewinne in Deiner Steuererklärung richtig an

Die Angabe von Zinsen und Kursgewinnen in der Steuererklärung ist für Dich vor allem dann wichtig, wenn Du Erträge aus ausländischen Kapitalanlagen erzielst. Aber auch dann, wenn Du vergessen hast einen Freistellungsauftrag zu stellen und daher Abgeltungssteuer abgezogen wurde, solltest Du die Position „Anlage KAP“ (Einkünfte aus Kapitalvermögen) ausfüllen. Nicht selten können so die gezahlten Steuern zurück geholt werden.

Die „Anlage KAP“ freiwillig ausfüllen

Im Rahmen der Steuererklärung ist es eigentlich nicht zwingend, die „Anlage KAP“ für erzielte Kapitalerträge auszufüllen. Wenn Deine Erträge im Rahmen der gestellten Freibeträge lagen und Du keine Steuern bezahlt hast, kannst Du natürlich darauf verzichten. Wenn Du aber vergessen hast bei Deiner Bank einen Sparerpauschbetrag zu stellen oder die Summe zu niedrig angesetzt war, kann es lohnend sein die Anlage auszufüllen. Die von den Banken zu viel einbehaltene Abgeltungssteuer kann so ganz einfach erstattet werden. Voraussetzung jedoch, dass die Steuererklärung rechtzeitig abgegeben wird. Rechtzeitig ist in diesem Fall bis spätestens zum 31. Mai des Folgejahres. Hierzu werden die erzielten Erträge in den Zeilen 7 bis 11 eingetragen. Das Finanzamt ermittelt schließlich, ob Deine Zinsen und Kursgewinne die Grenze von 801 Euro übersteigen. Ist dies nicht der Fall, wird die gezahlte Abgeltungssteuer erstattet. Andernfalls kann oft zumindest eine anteilige Erstattung erfolgen.

Wenn die Bank zu viele Steuern abgeführt hat

Das freiwillige Ausfüllen der Anlage kann außerdem sinnvoll sein, wenn Du der Meinung bist, dass die Bank zu hohe Steuern abgeführt hat. Dies kann beispielsweise bei einem Depotwechsel und dem nachfolgenden Verkauf von Wertpapieren der Fall sein. Die Abgeltungssteuer auf Kursgewinne wird hier aufgrund der fehlenden Einstandswerte oft anhand einer Ersatzbemessungsgrundlage durchgeführt, die sich natürlich auch ungünstig auswirken kann. Ist dies der Fall, gibst Du in der „Anlage KAP“ in der Zeile 5 eine 1 ein und listest in den Zeilen 7 bis 13 die Angaben wie in der Steuerbescheinigung der Bank auf. Daneben können die Korrekturen angegeben werden. Wichtig ist natürlich, dass Du dem Finanzamt eine Begründung für die Korrekturen abgibst. Sinnvoll ist es hier, eventuell vorhandene Abrechnungen über den Kauf der Papiere beizulegen.

Bei geringen Einkommen können Steuern zurückgefordert werden

Auch dann, wenn Du ein vergleichsweise geringes Einkommen erzielst, kannst Du mit dem Ausfüllen der „Anlage KAP“ durchaus eine Steuerrückerstattung erreichen. Im Rahmen der Abgeltungssteuer werden Kapitalerträge pauschal mit einem Steuersatz von 25 Prozent versteuert. Bei einem geringen Einkommen von weniger als 15.500 Euro für Alleinstehende und 31.000 Euro für Ehepaare liegt der Steuersatz jedoch vielfach darunter. Dies gilt nicht nur dann, wenn Du wenig Lohn verdienst. Auch für Kinder, Studenten, Arbeitslose und Rentner kann es sich lohnen, die erzielten Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Die Differenz zwischen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent und dem persönlichen Steuersatz wird dann erstattet. In diesen Fällen solltest Du Deine Erträge und die gezahlten Steuern auflisten. Gleichzeitig muss in der Zeile 4 eine 1 eingetragen werden.

Verluste über die „Anlage KAP“ geltend machen

Bei erzielten Kursverlusten kann es ebenfalls sinnvoll sein, die "Anlage KAP" beim Finanzamt einzureichen. Zwar verrechnen die Banken bereits von sich aus erzielte Gewinne und Verluste innerhalb eines Jahres miteinander, verbleibende Verluste können so jedoch ins Folgejahr übertragen werden. Dies gilt auch, wenn Gewinne und Verluste bei unterschiedlichen Banken erzielt wurden. Als Anleger solltest Du Dir in einem solchen Fall eine Verlustbescheinigung von Deiner Bank ausstellen lassen. Wichtig ist, dass der Antrag auf eine solche Verlustbescheinigung vor dem 15. Dezember eines Jahres gestellt wird. Liegt die Bescheinigung vor, können Verluste mit Gewinnen verrechnet werden, um Steuern zu sparen. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass Verluste aus Aktien auch nur mit entsprechenden Gewinnen verrechnet werden dürfen. Die Verrechnung mit anderen Einkünften ist seit einigen Jahren nicht mehr zulässig.

Bei Kapitalerträgen im Ausland ist die „Anlage KAP“ Pflicht

Hast Du als Anleger Kapitalerträge im Ausland erzielt, musst Du diese unbedingt dem Finanzamt mitteilen. Die Erträge werden schließlich ohne Abgeltungssteuer ausgezahlt. Wichtig ist es hierbei jedoch, nicht nur die Erträge an sich, sondern auch die im Ausland bereits einbehaltene Quellensteuer anzugeben. Diese werden dann mit der hierzulande zu zahlenden Abgeltungssteuer verrechnet. So vermeidest Du eine Doppelbesteuerung. Das Ausfüllen der „Anlage KAP“ ist auch dann wichtig, wenn Du als Anleger EU-Zinssteuer bezahlt hast. Diese beträgt aktuell 35 Prozent und liegt damit um 10 Prozent höher als die Abgeltungssteuer. Den Abzug der EU-Zinssteuer kannst Du allerdings künftig vermeiden. Hierzu musst Du lediglich Kontrollmitteilungen akzeptieren, die den automatischen Austausch von Kontodaten ermöglichen.

Kirchensteuer muss nachträglich verrechnet werden

Letztlich ist das Ausfüllen der „Anlage KAP“ auch dann wichtig, wenn Du kirchensteuerpflichtig bist und diesen Umstand bislang noch nicht Deiner Bank gemeldet hast. Seit diesem Jahr führen die Banken die Kirchensteuer automatisch ab. Hast Du diesem automatischen Abzug jedoch widersprochen, ist nach wie vor eine Nachversteuerung notwendig. Hierfür musst Du das Formular allerdings vollständig auszufüllen. Es reicht, wenn Du die von Deiner Bank einbehaltene Abgeltungssteuer sowie den Soli angibst. Das Finanzamt errechnet dann anhand dieser Daten die zu zahlende Kirchensteuer und gibt sie im Steuerbescheid mit an.

 

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