Tsipras gewinnt Wahl in Griechenland – Und jetzt?

Am 25. Januar hat Griechenland – wie bereits von uns berichtet – ein neues Parlament gewählt. Als Sieger ging das Linksbündnis Syriza um Alexis Tsipras hervor, das nicht nur einen Erlass der erdrückenden Schulden fordert, sondern gleichzeitig die Sparbemühungen der Vorgängerregierung weitgehend einstellen will. Die Märkte jedoch zeigen sich nahezu unbeeindruckt, was wohl auch an der aktuellen Politik der EZB liegen kann.

Die Wahl in Griechenland

Rund 9,7 Millionen Griechen waren am Sonntag den 25. Januar 2015 aufgefordert ein neues Parlament zu wählen. Hintergrund war die Tatsache, dass die bereits am 06. Mai gewählten Vertreter keine Koalitionsregierung bilden und sich nicht auf ein neues Parlament einigen konnten. Daher stand nun erneut eine Wahl an, bei der sich jedoch schon recht bald zeigte, dass es in erster Linie die Linkspopulisten Syriza sind, die die Menschen begeistern können. Vor allem die Forderung nach einem Schuldenschnitt und die Abkehr von den harten Sparsanktionen waren Themen des Parteiprogramms im Wahlkampf, die zahlreiche Griechen begeisterten. Schließlich verloren durch die Krise viele Griechen ihren Job, müssen daher mit sehr wenig Geld auskommen, was die Unzufriedenheit zusätzlich schürte. Tsipras ist für all jene ein Hoffnungsschimmer, aus dieser Situation endlich ausbrechen zu können. Die westlichen Länder jedoch wollen sich auf einen Schuldenerlass sowie auf ein Ende der Sparbemühungen zunächst nicht einlassen. Nur dann, wenn alle Forderungen erfüllt werden, soll im Juni die nächste Zahlung an das hoch verschuldete Griechenland geleistet werden.

Die Märkte zeigen sich entspannt

Obwohl in Griechenland die Linkspopulisten einen Wahlsieg verbuchen konnten, bleiben die Märkte weitgehend entspannt. Der DAX etwa kletterte trotz Wahlsieg am darauf folgenden Monat auf neue Höhen, auch in den USA und in Nahost war keine Panik zu spüren. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Zum einen zeigten die Wahlprognosen bereits vor einigen Wochen, dass Tsipras wohl die Wahl gewinnen würde. Die Märkte hatten demnach ausreichend Zeit, sich entsprechend vorzubereiten und diese Situation einzupreisen. Zum anderen glaubt wohl niemand so recht daran, dass Tsipras tatsächlich einen Schuldenschnitt in Brüssel erreichen wird. Schließlich könnte ein Erlass von Staatsschulden bedeuten, dass auch andere Länder wie Spanien oder Portugal Ansprüche geltend machen und so einen Flächenbrand in Europa auslösen könnten. Auch wenn die Verhandlungen zum Schuldenschnitt bereits jetzt beginnen, wird Athen aller Voraussicht nach nur wenig erreichen. Viele Experten gehen daher davon aus, dass in Griechenland bald die Realität Einzug hält und der bisherige Höhenflieger Tsipras auf dem Boden der Tatsachen bzw. in der Realität ankommen wird.

Grexit wird nicht mehr ausgeschlossen

Ein weiterer Grund für die relative Ruhe an den Märkten ist die Stabilisierung der übrigen südeuropäischen Länder. Schon vor zwei Jahren wurde bereits diskutiert, ob es für Griechenland nicht besser wäre, zur Drachme zurückzukehren und den Euro hinter sich zu lassen. Damals wurde dieses Szenario aber noch deutlich gefürchteter als heute. Ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro wird derzeit deutlich gelassener. Laut einer Umfrage des Institut GPO wollen jedoch mehr als drei Viertel der Griechen dennoch am Euro festhalten, da eine Mitgliedschaft im Euro-Raum gerade für Griechenland zahlreiche Vorteile mit sich bringt. Eine der Haupteinnahmequellen des Landes ist schließlich der Tourismus, der vor allem Menschen aus anderen europäischen Ländern anlockt. Aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie könnte durch die Wiedereinführung der Drachme leiden. Viele Experten glauben daher, dass sich die Vernunft in Griechenland durchsetzen und das Land auf einen stabilen Weg zurück finden wird. Eine stabile Regierung und eine Reduzierung der nach wie vor vorhandenen Korruption und Vetternwirtschaft ist hierfür jedoch wichtigste Voraussetzung. Hinzu kommt, dass die EZB Mitte Januar entschieden hat, ihr Anleihekaufprogramm (Interne Verlinkung: Die Geldflut der EZB und ihre möglichen Folgen) zu starten und so erneut viel Geld in die Märkte pumpen wird. Dieses Geld kann nun genutzt werden, um auch Griechenland zu helfen und eine Wirtschaft aufzubauen, die sich schon bald selbst finanzieren kann.

 

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