Endlich! Sind Überziehungszinsen bald Geschichte?

Auf Grund des anhaltend niedrigen Zinssatzes ist das Geld für Sparkassen und Banken zurzeit billig wie nie zuvor. Verbraucherschützer und Politiker fordern daher vermehrt, dass auch Kreditkunden endlich von den derzeit günstigen Bedingungen profitieren sollen. Beispielsweise könnten im Zuge dessen niedrigere Dispo- und Überziehungszinsen angeboten werden. Diese liegen aktuell bei 15% und mehr.

Ungeplante Reparaturen, kurzfristige Anschaffungen, aber auch akute Geldknappheit sind Gründe wieso einige Privatpersonen gelegentlich oder auch öfter in die Miesen rutschen. Dies kann auf Grund der hohen Dispozinsen sehr teuer werden – insbesondere wenn man dabei über den festgelegten Disporahmen hinaus kommt. Im Allgemeinen sind die gewährten Dispokredite wesentlich kostenintensiver als beispielsweise die Aufnahme eines Raten- oder Rahmenkredits, die mit deutlich geringeren Zinssätzen verbunden wären.

Die Institute unterscheiden beim Dispo meist zwischen einem erlaubten Minus (ca. das Dreifache des Nettoeinkommens), in das das Konto rutschen darf. Dieses Minus wird als Dispokredit bezeichnet und kostet den Bankkunden Dispozinsen. Wird dieser Disporahmen überschritten, müssen Banken theoretisch weder Überweisungen ausführen noch Geld auszahlen. Die meisten Institute machen dies dennoch und kassieren für dieses sogenannte „ geduldete Minus“ ordentlich Überziehungszinsen. Diese Überziehungszinsen (=Extra-Dispozinsen) liegen meist nochmal 4-5% über den Dispozinsen für die erlaubte Überziehung und sind damit sehr teuer.

Immer mehr Banken schaffen Überziehungszins beim Girokonto ab

Aktuell gibt es hier allerdings insbesondere bei den Extra-Dispozinsen endlich Veränderungen auf Seite der Banken. Anfang 2014 schafften einige Banken den bisher geforderten Extra-Überziehungszinssatz für die unerlaubte, aber geduldete Kontoüberziehung ab und glichen diesen an den niedrigeren Dispozins für die erlaubte Kontoüberziehung an.

Beispielsweise passten so Anfang 2014 die Direktbanken 1822direkt sowie die ING (ehemals ING-DiBa) den Extra-Überziehungszins an den niedrigeren Dispozins an. Auch die Volksbank Mittelhessen, die Sparda-Bank, die Berliner Volksbank, die Kasseler Sparkasse, die Sparkasse Hahn und viele andere Banken folgten diesem Beispiel bereits.

Trotzdem halten einige Institute an ihren hohen Dispozinsen fest. Angesichts der immer niedrigeren Sparzinsen, die mittlerweile gegen Null gehen, ist dies kaum noch nachvollziehbar. Desweiteren kommen Banken derzeit günstig an Geld wie nie zuvor. Bei der EZB (=Europäische Zentralbank) zahlen sie so derzeit gerade einmal 0,05% Zinsen. Der Zinssatz liegt hier auf einem Rekordtief und deutlich unter dem Zinssatz von vor einem Jahr (0,5%). Im Gegensatz dazu sinken die Zinsen für Kreditnehmer jedoch nur langsam und in relativ unerheblichem Maße. Banken versuchen die hohen Überziehungszinsen dennoch mit dem Bereitstellungsaufwand, dem Ausfallrisiko sowie der Überwachung weiterhin zu rechtfertigen. Bezüglich des Ausfallrisikos ist hier jedoch zu vermerken, dass die Ausfallquote bei Dispokrediten deutlich geringer ist und sogar unter der Ausfallquote von Ratenkrediten liegt. Das liegt unter anderem auch daran, dass Überziehungskredite ohnehin nur denjenigen Kunden gewährt werden, bei denen damit gerechnet werden kann, dass das Geld auch zurückgezahlt wird.

Automatische Warnung bei Kontoüberziehung?

Dass Überziehungszinsen bald gänzlich der Vergangenheit angehören ist allerdings nicht zu erwarten, da diese durchaus ein lohnenswertes Geschäft darstellen. Eine mögliche Veränderung zeichnet sich dennoch ab: So fordert beispielsweise der Commerzbank-Chef Manfred Blessing ein Gesetz gegen die dauerhafte Nutzung von Dispo-Krediten. Konkret soll das umgesetzt werden, indem Kunden nach einer bestimmten Dauer der Disponutzung von ihrer Bank über einen günstigeren Kredit – also über andere Kreditvarianten – informiert werden sollen. Auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung (Kapitel 1.5 – Regeln für die Finanzmärkte – Seite 64) ist festgehalten, dass Bankkunden zukünftig eine Warnung erhalten sollen, sobald sie in den Dispo rutschen. Derzeit verfügen die meisten Institute allerdings noch über keine automatische Warnfunktion. Ob und wann ein Kunde also von einem Berater bzw. der Bank kontaktiert wird, ist aktuell noch nicht systematisch festgeschrieben. Einige Banken versehen jedoch mittlerweile die Kontoauszüge mit Warnhinweisen, sobald der Kontostand ins Soll rutscht und verweisen auf günstigere Rahmen- oder Ratenkredite. Die Commerzbank will diese Warnung zukünftig auch auf das Online-Banking ausweiten. Über eine systematische Warnfunktion mit Wecker verfügen derzeit bisher nur die Sparkassen. Diese bieten ihren Kunden eine App, mit der dank eines integrierten Kontoweckers vor der Überziehung des Kontos per E-Mail oder SMS gewarnt wird.

Solange allerdings die automatische Warnung bei einer Dispoüberziehung nicht gesetzlich festgeschrieben ist, wird es hier nur schleppend Veränderungen geben, da die Banken, wie oben bereits angesprochen, sehr gut an der Kontoüberziehung ihrer Kunden verdienen. Desweiteren wäre den Bankkunden, die vorübergehend ihr Konto nicht ausgleichen können, auch mit einem Ratenkredit nicht geholfen, da dieser die monatlich zu erbringenden Zahlungen noch weiter erhöhen würde. Wünschenswert wäre es daher, wenn weitere Institute dem Beispiel ihrer Vorgänger folgen und auch ihre überhöhten und nicht mehr zeitgemäßen Überziehungszinsen abschaffen.

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