Vorfälligkeitsentschädigung oft zu hoch berechnet

Bei einer vorzeitigen Kündigung eines Darlehens berechnen die Banken in der Regel eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung. Sie soll den entgangenen Gewinn ausgleichen, denn schließlich haben die Banken bis zum Ende der Kreditlaufzeit mit den Zinserträgen gerechnet. Als Bankkunde solltest Du die Vorfälligkeitsentschädigung aber nicht einfach so hinnehmen. In der Vergangenheit hat sich häufig gezeigt, dass die Berechnungen zu hoch ausgefallen sind. Eine Überprüfung ist daher angeraten.

Die Vorfälligkeitsentschädigung bei Krediten

Bei Darlehen – insbesondere zur Immobilienfinanzierung – vereinbaren die Bank mit Dir als Kunde nicht nur den Darlehenszins, sondern auch die Zinsfestschreibung. Diese gibt an wie lange der vereinbarte Zins konstant bleibt. Selbst dann, wenn sich das Zinsniveau insgesamt erhöht, kannst Du dann nach wie vor von günstigen Konditionen profitieren. Sinkt das Zinsniveau hingegen, bleibt Deine Belastung jedoch gleich. Um sich vor Verlusten zu schützen, refinanzieren die Banken die Kredite – und zwar über die gesamte Laufzeit hinweg. Solltest Du nun Dein Darlehen kündigen wollen, etwa weil Du die Immobilie verkaufen willst, entsteht der Bank ein Margen- oder Refinanzierungsschaden. Dieser ist umso höher, je stärker das Zinsniveau gesunken ist. Schließlich kann die Bank das Geld jetzt nur noch zu niedrigeren Zinsen anlegen oder als neuen Kredit vergeben. Den Schaden musst Du dann ersetzen, da Du den geschlossenen Vertrag vorzeitig auflösen möchtest. Aber auch dann, wenn die Bank den Kredit kündigt, weil Du in Rückstand geraten bist, kann diese Entschädigung berechnet werden.

Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung

In welcher Höhe Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen ist, ermittelt sich anhand verschiedener Faktoren. Zu den wichtigsten Kriterien gehören:

  • aktuelle Kredithöhe
  • im Vertrag vereinbarter Zins
  • aktuelles Zinsniveau
  • Restlaufzeit

Dabei gilt, dass die Entschädigung umso höher ausfällt, je höher der Restkredit und je länger die Restlaufzeit ausfallen. Aber auch das Zinsniveau spielt eine wichtige Rolle. Wenn Du beispielsweise Deine Baufinanzierung vor einigen Jahren zu fünf Prozent abgeschlossen hast, kann die Vorfälligkeitsentschädigung bei Restsummen von 100.000 Euro und Restlaufzeiten von 5-6 Jahren durchaus im niedrigen fünfstelligen Bereich liegen. Daher ist es immer wichtig von der Bank eine individuelle Berechnung anzufordern, wenn ein Kredit gekündigt werden soll. Mitunter ist es ratsam, den Kredit doch noch einige Zeit fortzuführen, um Kosten zu sparen.

Die Vorfälligkeitsberechnung unbedingt genau prüfen

Wenn Du von Deiner Bank die Vorfälligkeitsberechnung erhältst, solltest Du diese unbedingt prüfen. Wie die Wirtschaftwoche berichtet, sind viele Berechnungen falsch kalkuliert, weil die Banken etwa das Recht ihrer Kunden auf Sondertilgungen oder Tilgungsänderungen missachten. Diese Fakten müssen unbedingt berücksichtigt werden. Denn geht man von dem Fall aus, dass die Kunden von ihrem Recht Gebrauch machen, die kostenfreien Sondertilgungen zu nutzen, sinkt die Restkreditsumme. Bei Sondertilgungsvereinbarungen von zehn Prozent pro Jahr kann dies enorme Auswirkungen haben. Da die Bank zudem Verwaltungskosten spart, müssen auch diese verrechnet werden. Auch die genutzte Zinsmethode kann Auswirkungen auf die Berechnung haben, wie Experten aufzeigen. So gibt es neben der Aktiv-Aktiv-Methode, bei der davon ausgegangen wird, dass das zurückgezahlte Darlehen erneut als Darlehen vergeben wird, auch die Aktiv-Passiv-Methode. Diese nimmt an, dass die Gelder am Kapitalmarkt erneut angelegt werden. Grundsätzlich dürfen die Banken die Wahl der Berechnungsmethode selbst wählen. Sie sollten allerdings die für den Kunden günstigere Variante wählen. Dies wird jedoch in der Realität selten umgesetzt.

Kunden können zu hohe Zahlungen einklagen

Da leider viele Banken nicht im Interesse ihrer Kunden handeln, solltest Du die erhaltene Vorfälligkeitsentschädigung unbedingt von einem Experten prüfen lassen. Auch dann, wenn Du in den vergangenen Jahren eine solche Entschädigung gezahlt hast, kann sich die nachträgliche Überprüfung noch immer lohnen. Wie das Landgericht Münster am 06.09.2012 mit dem Aktenzeichen 14 O 427/9 feststellte, entsteht sogar ein rückwirkender Anspruch, wenn die Entschädigung bereits bezahlt wurde. Lediglich die Verjährung von zehn Jahren muss berücksichtigt werden. Wenn Du also Zweifel hast, solltest Du Dich möglichst kurzfristig an einen Anwalt wenden, der die Berechnung zumindest überschlägig überprüft. Wird hieran erkennbar, dass die Bank zu viel berechnet hat, kannst Du die weitere anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen. Alternativ bieten vielfach auch die Verbraucherzentralen erste Unterstützung. Die Wartezeiten für Termine sind hier jedoch deutlich länger.

 

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