Wenn Stop-Loss-Orders den Verlust nicht stoppen

Wie wir bereits berichteten, haben sich binnen der letzten Wochen durch die Aufwertung des Schweizer Frankens viele Franken-Kredite in ein Verlustgeschäft verwandelt. Derzeit sind Experten auf der Suche nach einer Erklärung für die doch sehr extreme Entwicklung des Wechselkurses und scheinen eine erste Antwort gefunden haben: Mit der Vereinbarung von Stop-Loss-Kursen sollte ursprünglich verhindert werden, dass Kreditnehmer von Franken-Krediten durch Währungsschwankungen hohe Verluste erleiden. Durch die abrupte Aufwertung des Schweizer Frankens jedoch wurden die Verluste nicht begrenzt, sondern sogar deutlich vergrößert. Jetzt soll es möglich sein, konvertierte Darlehen wieder in Schweizer Franken umzutauschen.

Stop-Loss-Aufträge sollen Sicherheit bieten

Wenn Du als Anleger eine Aktie oder eine Währung kaufst und auf Kursgewinne hoffst, hast Du prinzipiell mit Stop-Loss-Orders die Möglichkeit Deine Risiken abzusichern. Die Order wird dabei mit einem Kurs unterhalb der aktuellen Notierung ausgeführt. Erreicht der Kurs schließlich diesen Wert, erfolgt der automatische Verkauf der vorhandenen Aktien oder Währungen, und zwar zum nächstmöglichen Kurs. So wird vermieden, dass der jeweilige Wert ins Bodenlose fällt und enorme Verluste verursacht. Zwar ist meist auch mit der Ausführung der Stop-Loss-Order ein Verlust verbunden, dieser lässt sich durch den rechtzeitigen Verkauf aber meist deutlich begrenzen. Was für Dich als Anleger möglich ist, wurde auch bei den Krediten in Schweizer Franken beabsichtigt. Viele Kredite österreichischer Bankkunden, die auf Schweizer Franken lauten, sollten entsprechend abgesichert werden. Bei Erreichen eines gewissen Kurses war vorgesehen, dass diese automatisch in Euro umgetauscht werden.

Verluste durch Stop-Loss-Orders vergrößert

Jedoch wurden im Falle der Franken-Kredite die Verluste durch die Stop-Loss-Orders nicht begrenzt. Ganz im Gegenteil: Durch die Stop-Loss-Orders wurden die Verluste deutlich vergrößert. Wie geplant, wurde zwar aufgrund des gestiegenen Franken die Konvertierung in Euro durchgeführt, mit dem Aufheben des ehemals festen Mindestkurses von 1,20 Franken je Euro schoss jedoch die Schweizer Währung fast ungebremst nach oben und erreichte teilweise sogar Werte von weniger als einem Franken je Euro. Auch die Stop-Loss-Orders, die ja zum nächsten festgestellten Kurs ausgeführt wurden, nutzten vielfach Kurse von 1 Franken je Euro und weniger. Die Verluste der Kreditnehmer beliefen sich damit binnen kürzester Zeit auf mehr als 20 Prozent. Lag die Kreditschuld bei einem Wechselkurs von 1,20 Franken je Euro bei 100.000 Euro, müssen Kreditnehmer jetzt fast 120.000 Euro tilgen. Betroffen sind hunderte Kreditnehmer in Österreich, deren Kredite nun auf Euro lauten und weitaus höher sind als noch zu Beginn des Jahres.

Rücktausch in Franken soll nun möglich sein

Um ihren Kunden entgegen zu kommen bieten nun viele Banken an, die konvertierten Kredite wieder in Schweizer Franken zurück zu tauschen. Mit diesem Vorgehen wollen die Banken für ihre Kunden Lösungen finden, um die erlittenen Verluste zu begrenzen. Schließlich sei es möglich, dass sich der Euro erholt und wieder Wechselkurse von 1,20 Franken je Euro erreicht werden. Wie Experten und auch das Sozialministerium in Österreich aufzeigen, bleiben jedoch die Währungsrisiken bei Schweizer Franken Krediten durchaus erhalten. Auch in Zukunft müssen Kreditnehmer damit rechnen, dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro aufwertet und hierdurch Verluste entstehen. Diese Risiken bleiben trotz der Spekulationen über einen möglichen inoffiziellen Wechselkurs, der laut FAZ bereits im Gespräch ist. Angeblich soll künftig ein Korridor von 1,05 bis 1,10 Franken je Euro erreicht werden. Schon in den vergangenen Tagen hatte sich der Kurs leicht erholt und ist von der vorherigen Parität auf sogar 1,055 Euro gestiegen. Ein direktes Eingreifen der Schweizer Nationalbank wurde zwar nicht bestätigt, scheint aber durchaus möglich.

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