Werden wir bald fürs Schuldenmachen bezahlt?

Während Anleger am derzeit niedrigen Zinsmarkt schier verzweifeln, könnte es für Kreditnehmer schon bald lukrativ werden, ein Darlehen aufzunehmen. Laut Medienberichten schließen sowohl die KfW – die weltweit größte nationale Förderbank – als auch andere Institute einen Negativzins auf Kredite nicht mehr aus. Als Darlehensnehmer müsstest Du für neue Kredite dann keine Zinsen mehr zahlen, sondern erhältst von Deiner Bank sogar Geld zurück.

Die neue Zinspolitik der EZB

icon_ProzentzeichenDie Europäische Zentralbank geht bereits seit einigen Monaten völlig neue Wege. Hatte sie den Leitzins bereits im September 2014 auf das historisch niedrige Niveau von 0,05 Prozent gesenkt, kauft sie seit März 2015 massiv Anleihen, um frisches Kapital in die Märkte zu pumpen. Derzeit werden pro Monat Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro angekauft – Geld, das idealerweise investiert werden soll. Gleichzeitig müssen Banken, die Geld bei der EZB bunkern und dieses nicht als Kredite an ihre Kunden vergeben, einen Strafzins bezahlen. Solche Strafzinsen sind mittlerweile auch bei vielen Geschäftsbanken an der Tagesordnung. Wie wir bereits berichteten, wurden derartige Gebühren sowohl bei der Deutschen Skatbank als auch bei der Commerzbank eingeführt. Andere Banken folgten diesem Beispiel. Diese Negativzinsen sollen nun nicht mehr nur auf das Einlagengeschäft, sondern auch auf das Kreditgeschäft ausgeweitet werden. Als Kreditnehmer kannst Du dann nicht mehr nur von günstigen Zinsen profitieren, sondern erhältst von Deiner Bank sogar Geld, wenn Du einen Kredit aufnimmst.

Die KfW Bankengruppe geht in die Offensive

icon_Pfeile_hoch_runter2Als erste Bank denkt nun das erste Kreditinstitut über negative Zinsen bei Kreditvergaben nach. Die KfW ist als Staatsbank besonders daran interessiert, dass die Kreditvergaben wieder erweitert und Investitionen gefördert werden, denn sie unterstützen die Wirtschaft. Schließlich sorgen solche Ausgaben dafür, dass die Konjunktur floriert und damit weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Zudem kann sich die KfW, anders als viele Privatbanken und Sparkassen, noch günstiger Geld bei der EZB beschaffen und diesen Preisvorteil natürlich an die Kreditnehmer weitergeben. Schon heute sind die Förderdarlehen der KfW im Vergleich zu klassischen Bankkrediten deutlich günstiger und mit zahlreichen Vorteilen wie etwa dem Tilgungsverzicht in den Anfangsjahren ausgestattet. Zu den Angeboten der KfW gehören Baudarlehen für die Errichtung von Niedrigenergiehäusern oder den Neubau von Photovoltaikanlagen. Zudem unterstützt die KfW Selbstständige und Unternehmen mit Investitionskrediten dabei, neue Produktionsstätten zu errichten und ihren Geschäftsbetrieb zu erweitern. Werden vermehrt derartige Kredite vergeben, könnte die Wirtschaft überdurchschnittlich profitieren und weiter wachsen. Auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze wäre damit verbunden.

Für den Staat sind Negativzinsen bereits heute Alltag

icon_LupeNegativzinsen für Spareinlagen sowie für die Aufnahme von Krediten sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Sowohl in der Schweiz als auch in Dänemark gehören diese bereits zum Alltag. Auch die Bundesregierung muss schon heute keine Zinsen mehr bezahlen, wenn sie Anleihen begibt, um den Bundeshaushalt zu finanzieren. Zahlreiche Anleger sind hier schon bereit, Strafzinsen zu akzeptieren, um entsprechende Anleihen zu erwerben. Aus diesem Grund könnte der Negativzins für Kredite auch für Privatkunden und Unternehmen wohl schon bald eingeführt werden, sollte sich das Zinsniveau weiter reduzieren. Denkbar wäre jedoch, dass Negativzinsen nicht für alle Kredite anfallen, sondern dass die Kreditvergabe an bestimmte Kriterien gebunden ist, etwa an Investitionen oder Bauvorhaben. So könnten Regierung und Banken die Verwendung der Mittel zielgerichtet forcieren und vielleicht sogar die Kreditvolumen erhöhen. Es bleibt abzuwarten, welche Entwicklungen die Zukunft bringen wird.

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